Bayer gewinnt in Krise – Glyphosat-Einigung in den USA verzögert sich

Der deutsche Pharma- und Agrarchemieriese Bayer trotzt der Coronakrise. Dank einer höheren Nachfrage nach rezeptfreien Arzneimitteln von Vitaminpräparaten bis Schmerztabletten, des kräftigen Wachstums im Agrargeschäft und des anhaltenden Erfolgs des Gerinnungshemmers Xarelto steigerte der Leverkusener Konzern den Umsatz kräftig.

Dieser stieg im ersten Quartal um 4,8 Prozent auf rund 12,9 Mrd. Euro, teilte Bayer am Montag mit. Der Gewinn kletterte um 20 Prozent auf knapp 1,5 Mrd. Euro.

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Während viele anderen Unternehmen über Umsatzeinbußen wegen der Coronakrise klagen, profitierte Bayer vor allem im Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln von Vorratskäufen vieler Verbraucher. Währungs- und preisbereinigt legten die Umsätze im ersten Quartal stark um 13,5 Prozent zu. Bei Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminen oder Mineralien betrug das Plus sogar 33,7 Prozent, in den Bereichen Schmerz und Cardio fast 20 Prozent.

Auch der Umsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln stieg um fast 4 Prozent. Besonders stark waren die Zuwächse beim Gerinnungshemmer Xarelto mit einem Plus von 18,8 Prozent. Das Präparat, das zur Schlaganfallvorbeugung eingesetzt wird, liefert inzwischen fast ein Viertel des Umsatzes der Pharmasparte. Beim Augenmedikament Eylea, sonst auch ein Wachstumstreiber, lag das Umsatzplus indes nur bei 1,7 Prozent. Analysten hatten weniger Zuwächse erwartet, da wegen der Coronakrise nicht dringend nötige Behandlungen verschoben wurden.

In der Agrarsparte profitierte Bayer zum Jahresstart von einer hohen Nachfrage nach Maissaat sowie nach Pilz- und Insektenschutzmitteln. Insgesamt stiegen die Umsätze hier um 5,7 Prozent. Deutlich rückläufig war dagegen das Geschäft mit Gemüsesaatgut.

Ausgebremst wurden von der Coronakrise die Hoffnungen auf eine schnelle Einigung im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter. Bayer beteilige sich weiter konstruktiv an dem eingeleiteten Mediationsverfahren und habe dabei Fortschritte erzielt, berichtete Bayer-Chef Werner Baumann. Doch die Pandemie habe das Mediationsverfahren erheblich verlangsamt.

Die Zahl der in den USA eingereichten Glyphosat-Klagen stieg zwischen Februar und Mitte April noch einmal um fast 4.000 auf 52.500. Investoren setzen darauf, dass Bayer den Rechtsstreit um die Produkte des 2018 übernommenen US-Saatgutherstellers Monsanto zeitnah mit einem groß angelegten Vergleich beilegt. Schätzungen zufolge könnte Bayer das um die 10 Mrd. US-Dollar (rund 9 Mrd. Euro) kosten.

Ursprünglich hatte Bayer in dem Rechtsstreit dem Vernehmen nach eine Einigung bis zur Hauptversammlung an diesem Dienstag angestrebt.

Baumann bekräftigte allerdings, dass Bayer eine Lösung nur dann in Betracht ziehen werde, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll sei und gewährleiste, dass auch zukünftige Fälle effizient zu einem Abschluss gebracht würden. Das gelte vor dem Hintergrund der Coronafolge für die Wirtschaft mehr denn je.

Nach Ansicht von Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist entscheidend, dass ein nicht zu schmerzhafter Vergleich kommt, nicht, wann er kommt, erklärte er kürzlich.

Die Auswirkungen der Coronaviruspandemie auf die Jahresprognose ließen sich noch nicht verlässlich bewerten, erklärte Bayer weiters. Bisher hatte der Konzern für 2020 mit einem währungs- und portfoliobereinigten Umsatzplus von etwa 3 bis 4 Prozent auf rund 44 bis 45 Mrd. Euro und einem Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns auf rund 12,3 bis 12,6 (Vorjahr: 11,5) Mrd. Euro gerechnet. Die Prognose entspreche „nach wie vor den Zielvorgaben des Unternehmens“, hieß es.

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