Bayern baut Schweinepest-Schutzzaun Richtung Österreich

Die Ankündigung Bayerns, auch Richtung Österreich Wildzäune als Schutzmaßnahme gegen die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aufzustellen, sorgt in Wien für wenig Verständnis.

„Ich halte das zum jetzigen Zeitpunkt für eine überschießende Maßnahme“, erklärte Ulrich Herzog von der Veterinärverwaltung im Gesundheitsministerium im APA-Gespräch. Seit dem erstmaligen Auftreten der Tierseuche in Europa 2014 habe es in Österreich noch keinen nachgewiesenen Fall gegeben.

Nachdem die Viruserkrankung in Deutschland erstmals Mitte September bei einem Wildschwein festgestellt worden war, hat Bayern in den vergangenen Wochen Zäune auf einer Länge von 500 Kilometern entlang der Autobahnen im Grenzgebiet zu Thüringen, Sachsen und der Tschechischen Republik errichtet. Zugleich kündigte das Umweltministerium in München Ende November für 2021 den Ausbau entlang weiterer Autobahnen an – insbesondere in Richtung Österreich.

„Die Gefahr einer Einschleppung nach Österreich ist durch zahlreiche Fälle im Osten Europas nach wie vor sehr hoch“, sagte Herzog. Während in Tschechien die Erkrankung erfolgreich bekämpft wurde, sei in anderen Ländern weiterhin keine Entspannung der Situation in Sicht. Sorge bereitet den Behörden dabei vor allem die Lage in Ungarn. „Die am nähesten bekannten Fälle unter Wildschweinen gab es zuletzt östlich von Budapest – rund 110 bis 120 Kilometer von der Staatsgrenze entfernt.“ Von den Nachbarländern sei auch die Slowakei betroffen, allerdings nur im Grenzgebiet zur Ukraine.

Herzog sieht Zäune weniger als präventives Mittel sinnvoll, sondern hält sie vielmehr für eine Maßnahme bei einem akuten Auftreten der Krankheit. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die afrikanische Schweinepest in Wildschweinbeständen nur langsam verbreitet. Die großen Sprünge erfolgen vor allem bei einer Verbreitung durch den Menschen – etwa über weggeworfene Fleischprodukte oder Tiertransporte von Hausschweinen.“

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Mit Zäunen ließen sich vor allem kleinere Ausbrüche klar abgrenzen. In Belgien etwa, wo die Einschleppung nicht durch direkten Kontakt der Tiere, sondern kontaminierte Lebensmittel erfolgt sein dürfte, wurden Zäune nicht als Sperrkorridor errichtet. „Sie wurden genutzt, um die Bewegung der Wildschweine zu lenken, um sie so besser bejagen zu können.“ Wichtig sei auch, über betroffene Gegenden Ernte- oder Betretungsverbote zu verhängen. „Der Wildschweinbestand sollt nicht beunruhigt werden, sonst fördert das die weitere Verbreitung.“

Der Bau eines Zaunes sei mitunter auch aufgrund von geografischen Gegebenheiten und Eigentumsverhältnissen schwierig. „Viele Zäune werden deshalb entlang von Straßen errichtet, auf öffentlichem Grund.“ Außerdem müssten sie regelmäßig gewartet werden. „Wir beobachten die Entwicklung der Seuchenlage sehr genau“, betonte Herzog. Ein Ausbruch in Österreich hätte schwerwiegende Folgen, wenn sie Hausschweine befällt, auch für landwirtschaftliche Betriebe. Seit Mitte Dezember 2019 müssen in ganz Österreich tot aufgefundene Wildschweine der Veterinärbehörde gemeldet werden.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine äußerst ansteckende Seuche. Sie befällt Haus- und Wildschweine, stellt aber für andere Tiere und Menschen keine Gesundheitsgefährdung dar. Der Erreger, ein Virus, ist sehr widerstandsfähig. Er kann Wochen bis Monate in Fleisch und Fleischwaren infizierter Tiere sowie in Schlachtabfällen überleben, in gefrorenem Fleisch sogar mehrere Jahre. Dabei ist auch die Bevölkerung zu Aufmerksamkeit aufgerufen. Werden potenziell kontaminierte Speisereste beispielsweise auf Autobahnraststätten weggeworfen, könnten diese von Wildschweinen verspeist werden und zu einer Verbreitung der Krankheit führen.

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