Beethovens „Fidelio“ trifft mitten ins Herz

In Beethovens einzige vollendete Oper wird in Linz ein zeitgenössischer Einakter eingeschoben.
In Beethovens einzige vollendete Oper wird in Linz ein zeitgenössischer Einakter eingeschoben. © Herwig Prammer

Die neue Opernsaison nach monatelanger Corona-Pause beginnt das Linzer Landestheater mit Beethovens einziger Oper „Fidelio“. Die Premiere findet am Samstag, 19. September, um 19.30 Uhr im Großen Saal des Musiktheaters statt.

Der Zwei-Akter unter der musikalischen Leitung des Chefdirigenten Markus Poschner handelt von der mutigen Leonore (Erica Eloff), die während der Französischen Revolution ihren von den Jakobinern eingekerkerten Ehemann Florestan befreien will.

Sie verkleidet sich als Mann, um sich mehr Respekt und Macht im Kampf gegen die Tyrannei zu verschaffen. „Gewalt, Verantwortung und Freiheit stehen im Fokus. Wir wollen die Bedeutung von Schuld und Inhaftierung ergründen“, so Hermann Schneider, Intendant des Landestheaters, der hier auch Regie führt.

„Instrumente an Grenzen gebracht“

Eingebettet in Beethovens Werk, das sich darüber hinaus mit der Frauenrolle und dem Ehebild auseinandersetzt, ist die dramatische Szene „Twice Through the Heart“ („Zweimal durchs Herz“) vonMark-Anthony Turnage. Das von Poschner als „implodierte ,Fidelio’-Szene“ bezeichnete 30-minütige Stück mit Katherine Lerner als Solistin wird zwischen den beiden Akten der Oper aufgeführt.

Thematisch liegt es Beethovens „Fidelio“ sehr nahe. Es behandelt ein weiteres Frauenschicksal im Gefängnis und spielt fast 200 Jahre nach der ersten Begebenheit: Amelia Rossiters Leben nimmt in den 1980ern eine schicksalhafte Wendung, nachdem sie ihren Ehemann in Notwehr erstochen hat. Sie landet in einem englischen Gefängnis und verschweigt jahrelang die Misshandlungen durch ihren persönlichen Tyrannen.

Insgesamt dauert die emotional verdichtete, in ihren Dialogen gekürzte Vorstellung exklusive Pause zwei Stunden. Schneider bewirbt den Dreiteiler als „zwei Opern zum Preis von einer“. Poschner, der zwei separate Orchester dirigieren wird, spricht von einem musikalischen Highlight: „Beethoven hat die einzelnen Instrumente an ihre Grenzen gebracht.“ Das für Turnages „Twice Through the Heart“ verantwortliche Orchester ist zur Wahrung des Sicherheitsabstandes zwischen den Musikern ins Bühnenkonzept integriert. mik

Weitere Termine: 25. September, 3., 7., 12., 17., 19., 23. Oktober sowie 1. und 17. November

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