Beethovens Walküre oder so

Festwochen: Gesprächskonzert Stefan Mickischs im Toscana Congress Gmunden

Mit vier Jahren spielte Stefan Mickisch am Klavier Beethoven.
Mit vier Jahren spielte Stefan Mickisch am Klavier Beethoven. © R. Gigler

So einer ist das. Mit vier Jahren spielte Stefan Mickisch am Klavier Beethoven und erkannte: F-Dur ist Landschaft, ist Humor, ist „alles, was pastoral ist“. Mickisch erweiterte seine Erkenntnisse. C-Dur „ist Widder“, „sich hochkämpfend“, lässt sich durch nichts aufhalten. Und! „Wagner wusste, C-Dur ist Licht.“

Richard Wagner ist sein Lieblingskomponist, in Bayreuth hielt Mickisch ab 1998 Einführungsvorträge. Wagners Antisemitismus ficht in den Augen Mickischs seine Kunst nicht an, der Bewunderer zieht den Tunnelblick vor. Mit seinen live kommentierten, den „Gesprächskonzerten“ hat Mickisch viel Ruhm erworben, er gilt als Star in dieser Nische. Als Pianist preisüberhäuft, hat er sagenhafte 73 CDs und DVDs eingespielt.

Am Samstag gastierte Mickisch bei den Salzkammergut Festwochen Gmunden, im Toscana Congress Gmunden das Programm „Tonarten und Sternzeichen bei Beethoven und Wagner“.

Sternzeichen? Die Sprache der Musik übersetzt Mickisch bildreich und assoziativ. Wahrnehmungsarten fließen ineinander, Goethes Farbkreis entspricht den zwölf Tonarten, eine jede Tonart hat ähnlich den Sternzeichen ihren Charakter. Strenge Kritik deshalb an zeitgenössischer Aufführungspraxis: „Nicht jede Tonart ist transponierbar!“

Mickisch ein energischer Vermittler seines Fachs. Die Stange mit dem Mikro reißt er an sich, erläutert, drückt sie weg. Wie ein Hebel, mit dem er eine teuflische Maschine bedient. Die „Maschine“ das Klavier, an dem Mickisch Wagner und Jubilar Beethoven in eins führt. Das Scherzo der göttlichen „Eroica“ ganz nah an der Morgen- in der „Götterdämmerung“, Wagner hat vom Titan viel gelernt. Sonderapplaus für Mickisch, als er quasi jazzt und den Walkürenritt mit Beethovens Neunter verknüpft.

Als erdgebundenes Wesen — ohne musikalische Ausbildung und ohne absolutes Gehör wie der Vortragende — hascht der Besucher wie ein Esel nach den Karotten, die Mickisch massenhaft zuwirft. Geballtes Wissen prasselt ein, der Besucher will verstehen. Irgendwann lauscht er nur noch, glaubt willenlos. Esel sein ist manchmal okay.

„Es“ muss auch raus, im Feingeist grummelt der Wutbayer. Kürzlich nahm er an seiner ersten Demo teil, sagt Mickisch. Gegen Corona-Maßnahmen, „für die Freiheit“. Mit dem Wort „Freiheit“ wird oft Schindluder getrieben. Mickisch endet furios, das Finale der „Götterdämmerung“.

Virusbedingt rund 200 im 750 Menschen fassenden Saal, heftiger Applaus wie ein volles Haus.

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