Begegnungen der Welten

Im Schlossmuseum Linz beginnen neue Zeiten

ChristianLemmerz„La Apparzione“
ChristianLemmerz„La Apparzione“ © Lemmerz, Khora Contemporary

Die Begegnung mit Gott. Menschheitstraum? Urangst? Erfüllung, Nirvana, Erleuchtung? Nichts von dem verspricht eine neue Installation im Schlossmuseum Linz wahrhaftig, aber dieser kleine Raum im altehrwürdigen Teil der Anlage öffnet viele Türen — nicht nur transzendentale.

Fabian Müller, neuer Leiter der Sammlung Kunst- und Kulturgeschichte bis 1918, arbeitet gerade mit seinem Team an einer neuen Dauerausstellung. „Es soll zeitgemäßer werden“, sagt er.

Ein Marathon, betrachtet man die räumlichen Ausmaße und die der Bestände der OÖ. Landes-Kultur GmbH. Doch der erste Schritt ist nun getan mit einem Raum im alten Fügel und der Installation „Meet your Maker“. Hat man bisher auf die durchaus beeindruckenden Gegebenheiten des im 15. Jahrhunderts von der Burg zum Schloss umgebauten Wahrzeichens in Linz vertraut, traut sich Müller, den Direktor Alfred Weidinger aus seiner vorherigen Wirkungsstätte, dem Museum für bildende Künste Leipzig, mitgenommen hat, etwas. Er lässt kurzerhand zwei Fenster zumauern, streicht alles schwarz und stellt ein Werk aus dem frühen 16. Jahrhunderts der Virtual-Reality-Arbeit „La Apparizione“von Christian Lemmerz gegenüber, ergänzt durch zwei grafische Arbeiten des Künstlers. Also kommt es auf den paar Quadratmetern zu einer wahrhaftigen Begegnung zweier Welten, zweier Zeiten. An der Wand prangt ein Kruzifix, der sterbende Gott, Sinnbild für für das heilbringende Opfer, den Moment des Verlassens der irdischen Welt. Wenn der Besucher die VR-Brille aufsetzt: eine Erscheinung in 3D und Gold, mystische Klänge, ein Moment der Entrückung, vielleicht der Erkenntnis.

Es solle ein „Versuchsprojekt in eigener Sache“ sein, betont Müller. Und er scheint zu glücken, lässt sich doch der Staub der Jahrhunderte hier mit moderner Technik gut entfernen, ohne das „Alte“zu übertünchen oder nicht genug wertzuschätzen. Eine überaus gelungene Symbiose, von denen das Schloss künftig hoffentlich mehr bietet.

Geht es der Qualle gut, geht es uns schlecht

Im Keller des Südtrakts wartet seit jeher die Natur auf die Besucher. Immer wieder kann man sich aufs Neue über riesige Haie und überdimensionale Regenwürmer freuen. Doch nun hält auch die Kunst Einzug in die naturwissenschaftliche Ausstellung. Eine Arbeit des theaternahen Rimini Protokolls ist bis 20. Februar 2021 zu sehen und hören. Hinter schwarzen Vorhängen läuft die Performance, eine audiovisuelle Installation, die Wesen zu Hauptakteuren gemacht hat, die seit 670 Millionen Jahren eine ganz spezielle Rolle spielen auf unserem Planeten. „Am Ende wird es nichts mehr geben außer Quallen“, sagt Müller — also ganz nach dem Motto „Geht es es der Qualle gut, geht es uns schlecht.“ Das Tier mag nämlich all das Schindluder, das wir mit unserer Erde treiben. Die Arbeit mit dem Titel „win > < win“ lässt uns Besucher in Interaktion mit den Tieren im Aquarium, mit uns selbst und den anderen Menschen treten. Dazu gibt es via Kopfhörer Wissenswertes über die glitschigen, schwebend-schwimmenden Meeresbewohner.

Auch hier werden Grenzen erfolgreich überwunden: Natur und Kultur, Gewachsenes und Geschaffenes — all das muss sich keinesfalls ausschließen, sondern lässt sich mit einer spürbaren Leichtigkeit überwinden.

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