Begeisterung für das Bruckner Orchester in Wien

Markus Poschner mit Bruckners 5. Sinfonie im Musikverein

Markus Poschner überzeugte auch im Wiener Musikverein.
Markus Poschner überzeugte auch im Wiener Musikverein. © R. Winkler

Von Paul Stepanek

Ein Glanzstück der Bruckner-Interpretation brachten das Bruckner Orchester und sein Chefdirigent Markus Poschner am Samstag mit einer bejubelten Aufführung von Anton Bruckners 5. Sinfonie in B-Dur im überfüllten „Goldenen Saal“ des Wiener Musikvereins zuwege.

Poschner legte analytisch die Strukturen des Riesenwerks, das im sinfonischen Schaffen Bruckners eine Schlüsselfunktion einnimmt, offen; und dennoch verloren Dirigent und Klangkörper nie das große Ganze aus den Augen. Der Weg zu dieser großartigen Leistung führte über gemäßigte Tempi, akribisches Herausarbeiten von agogischen und dynamischen Feinheiten und ebenso brillante wie hochriskante Klarheit der Stimmführung. Alle Instrumentengruppen fügten sich ihrem Charakter gemäß sensibel in dieses System ein und ließen ein äußerst differenziertes Klangspektrum aufleuchten.

Poschner gelang im Gesamteindruck die Emanzipation von allen simplen Versuchen der Musikliteratur, den Grundcharakter der Sinfonie durch eindimensionale Titel („Choralsinfonie“, „Tragische“, „Katholische“, „Phantastische“) umschreiben zu wollen: Er versuchte mit Erfolg die tiefgründige, wenn auch subjektive Deutung der puren Substanz.

Oberösterreichische Landlerseligkeit

So war im dritten Satz im positiven Kontrast zu den Bruckner-Auguren, welche die „Schatten des vorangegangenen Adagios“ über dem Scherzo sehen wollen, etwas ganz anderes zu hören: Oberösterreichische Landler- und Walzerseligkeit klang ungetrübt auf. Im großen Finale des 4. Satzes, der als polyfones Meisterstück der Kontrapunktik gilt, schien akustisch der große Orgel-Improvisator Bruckner im Hintergrund alle Register zu ziehen: In atemberaubender Manier verwebten sich die dominanten Themen der Sinfonie zu einem riesigen, krönenden Fugen-Dom, der mit einem strahlenden Bläser-Choral und wuchtigen Akkorden ausklingt.

Die Spannung der gebannten Zuhörerschaft, in die sich auch Landeshauptmann Thomas Stelzer und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka eingefunden hatten, machte sich in begeistertem Applaus und einigen Standing Ovations Luft.

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