„Bei Religion hört der Spaß auf“

Regisseurin Eva Spreitzhofer über Islam, Feministisches und Patchwork-Familien

Liebt Filme wie „Das Leben des Brian“, „Monsieur Claude und seine Töchter“, „Alles koscher!“ und „LOL“: Eva Spreitzhofer
Liebt Filme wie „Das Leben des Brian“, „Monsieur Claude und seine Töchter“, „Alles koscher!“ und „LOL“: Eva Spreitzhofer. © Brunner Images

Mit EVA SPREITZHOFER sprach Philipp Wagenhofer

Eva Spreitzhofer (51) ist Schauspielerin, Autorin und jetzt auch Regisseurin: „Womit haben wir das verdient?“ heißt ihre Culture-Clash-Komödie um eine 16-Jährige, die zum Islam konvertiert. Jetzt in den Kinos.

VOLKSBLATT: Die Dialoge scheinen wahrlich aus dem Leben gegriffen. Wieviel Autobiografisches steckt in dieser Geschichte?

EVA SPREITZHOFER: Die sind definitiv aus dem Leben gegriffen. In gewisser Weise bin ich diese Wanda. Ich hab’ zwei Töchter, die sind 18 und 20, die haben immer wieder mein Drehbuch auch gegengelesen und ausgebessert: „,Mega’ sagt kein Mensch, Mama“. Es gibt für alle Figuren im Film ein role model. Ich hab’ wahnsinnig viel recherchiert. Die absurdesten Dinge gibt es ohnehin in der Realität.

Hat es bei Ihren Töchtern in der Pubertät als Rebellion einen Hang zum Islam gegeben?

Nein, aber beim Beginn der Geschichte habe ich mir gedacht, es gehört zu den beängstigendsten Dingen, die ich mir vorstellen könnte, würden die sagen, dem Islam beigetreten zu sein. Weniger weil es der Islam ist, sondern weil meine Kinder bestimmte Werte, die ich für wichtig halte, über Bord werfen. Das sind eher feministische als religiöse Aspekte. Woran die glauben, ist mir wurscht, aber welches Frauenbild die haben, ist mir wichtig.

Gerade die Religionsebene ist sehr differenziert zu betrachten, Kreuz, Burka und Kippa. Diese äußerlichen Symbole werden sehr betont … Wie schwierig ist es, hier ausgewogen zu sein?

Prinzipiell finde ich es gar nicht schwierig, weil ich keinen ausgewogenen Film machen will. Ich wollte, dass man die Personen, Meinungen und Haltungen ein bisschen ironisch betrachtet. Auch selbstironisch — dass man sich lustig macht drüber, wie verbissen diese Sachen gesehen werden. Das bräuchte mehr Humor, aber das ist am rechten und am islamisch-reaktionären Rand immer weniger möglich. Mit dem Lachen kann man dem Thema ganz gut beikommen.

Ein geschickter Schachzug ist es, die Thematik mittels Komödie zu vermitteln. Dadurch kann man doch frecher sein und umfassende Erklärungen vermeiden. Sehen Sie das auch so? Mögen Sie das Jonglieren mit Vorurteilen?

Ganz sicher. Wenn man sich „Das Leben des Brian“ anschaut, wie frech die mit solchen Dingen umgehen, das ist umwerfend. Nach dem Start des Films gab es unglaubliche Proteste. Bei Religion hört sich bei manchen Leuten der Spaß auf. Das finde ich nicht notwendig.

Im Film ist die Mutter von der 16-jährigen Tochter, die konvertiert ist, viel betroffener als Papa Harald. Warum?

Ich empfinde das nicht so … Der Vater kommt einfach nicht so viel vor. Was Harald im Hintergrund macht, das erfährt man nicht so, weil Wanda die Hauptfigur ist.

Wie finden Muslime und Muslima Ihren Film, der etwa die Aspekte „rein“ und „unrein“ bezüglich Frauen thematisiert?

Ich hatte sehr viele Berater, habe auch Insider-Witze eingebaut, das geht auf. Ich glaube, dass die Mehrheit der Muslime und Muslima nicht radikale Gläubige sind, sondern säkulare. Katholiken vertreten ja auch nicht unbedingt die Papst-Meinung. Dadurch findet man viele Leute, für die das lustig ist.

Die Patchwork-Familie im Film deckt ja viele Facetten des Zusammenlebens ab, kommt Ihnen das als Autorin entgegen?

Ich lebe in einer Patchwork-Situation, aber ich glaube, dass auch Leute in herkömmlichen Familien diese Sachen gut kennen. Im Endeffekt treffen Menschen aufeinander, die zusammengehören, aber unterschiedliche Interessen haben. Für eine Komödie eignet sich eine Patchwork-Situation gut, weil es komplexe Strukturen sind.

Sie haben die wunderbare Caroline Peters (Nestroy als beste Schauspielerin) besetzt, Simon Schwarz, aber auch in kleinen Rollen bekannte Leute wie Mijou Friesz. Stand viel Budget zur Verfügung oder beruht das einfach auf Ihrem guten Netzwerk?

Der Kinofilm war ganz normal budgetiert, wo für kleine Rollen nicht so viel Geld zur Verfügung steht. Deshalb hab’ ich auch auf Leute wie Doron Rabinovici und Robert Stachel von maschek, mit denen ich befreundet bin, zurückgegriffen.

Bislang waren sie Schauspielerin und Autorin. Haben Sie jetzt Lunte gerochen? Werden Sie künftig hauptsächlich Chefin sein?

Ja, ich werde sicher kein Buch mehr, das ich geschrieben habe, von einem andern Regisseur inszenieren lassen. Der Output ist für mich einfach spannender, wenn ich das selber mache.

Wie ist Ihre Meinung?