Bela B Felsenheimer: Scharnow

Ein bisschen hat man bei der Lektüre von „Scharnow“ das (alles andere als schlechte) Gefühl, in einen überlangen Song von Die Ärzte geraten zu sein. Im ersten Roman von Bela B Felsenheimer, Drummer der besagten Berliner Band und kürzlich als Schauspieler in „M. Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu sehen, tut sich allerhand Kurioses. Der 56-jährige Künstler erweist sich dabei als wunderbarer Erzähler.

Ist „Scharnow“ eine Sozialsatire, ein Krimi, Science-Fiction oder eine Groteske? Von allem ein bisschen steckt in dem unterhaltsamen Buch, mit dem Felsenheimer seinen eigenen Ton getroffen hat. Die Handlung lässt schmunzeln und immer wieder angesichts gut gestreuter Pointen auflachen. Im fiktiven Dorf Scharnow gehen seltsame Dinge vor sich: Verschwörungstheoretiker haben es auf Haustiere abgesehen, die angeblich die Welt lenken, ein fliegender Mann sorgt für Aufsehen, eine Bande Betrunkener überfällt nackt einen Supermarkt und ein Buch tötet… Unter die Protagonisten reihen sich Pornodarsteller, schwule Eichhörnchen, Waffennarren, überforderte Polizisten und ein stinkender Gülle-Millionär.

Und Rex Gildo ist omnipräsent. Felsenheimer verknüpft das Schicksal der Figuren schlüssig wie überraschend. Viele liebevolle Details laufen zusammen und ergeben einen originellen Roman zwischen Realität und Traumwelt. Man muss kein Ärzte-Fan sein, um mit der Lektüre zurecht zu kommen. Für Insider gibt es nette Querverweise auf den Kosmos des Bela B.

Bela B Felsenheimer: Scharnow. Heyne Verlag, 416 Seiten, 20,60 Euro