Belvedere 2020 von Klimt bis zu Freuds Einfluss auf Dali

“Es war und ist unsere Leitlinie, Themen der österreichischen Kunstgeschichte vorzustellen, neu zu erschließen oder zu entdecken, sowie internationale Künstlerinnen und Künstler in ihrem Bezug zu Österreich darzustellen”, umreißt Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig “die Leitplanken” ihrer Programmatik. Diesen folgt man – durchaus in einem “weiten Radius” – auch im Jahr 2020.

Den Anfang macht im Unteren Belvedere Mitte Februar die Schau “Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafe”. Darin will man “aus der globalen Perspektive” die Rolle des Nachtlebens in der Entwicklung von Avantgarde-Strömungen des 20. Jahrhunderts untersuchen, wie Rollig im APA-Interview erläutert. “Nachtlokale waren immer soziale und kulturelle Knotenpunkte. Einerseits waren sie Brutstätten für neue Ideen, zum anderen aber auch Schauplätze künstlerischer Darbietungen”, so die Direktorin.

Den Auftakt macht man im Paris des späten 19. Jahrhunderts mit dem legendären Kabarett “Le Chat Noir”, in Wien steht das Kabarett “Fledermaus” im Fokus, dessen Bar in Zusammenarbeit mit der Universität für Angewandte Kunst rekreiert wurde. Weiters richtet man den Blick auch über die europäischen Grenzen hinaus, etwa nach Teheran oder Harlem.

Im Belvedere 21 startet man mit Herbert Brandl, der seit acht Jahren keine große Ausstellung in Wien hatte. Im Zentrum von “Exposed to Painting” stehen die letzten 20 Jahre des “auch international hoch geschätzten österreichischen Malers”, so Rollig. Im Herbst gastiert die britische Künstlerin Rebecca Warren im Belvedere 21. Die Arbeiten der Vertreterin der “Young British Artists” sollen dabei in den Kontext des im Haus beheimateten Wotruba-Archivs gestellt werden.

Besonders freut sich Rollig auf die Herbstausstellung “Dali – Freud” in der Orangerie: “Unser Themenzugang erfolgt aus Wiener Perspektive und wurde so noch nie dargestellt”, so die Generaldirektorin. In der Schau wird der Einfluss von Freuds Schriften auf die Werke des berühmten Surrealisten untersucht. Dieser habe nachweislich in den 1920er Jahren Zugang zu Übersetzungen von Freuds Schriften gehabt und sogar versucht, den Vater der Psychoanalyse in Wien zu treffen – dieser habe jedoch damals nichts vom jungen Spanier wissen wollen.

Erst 1938 in London kam es zu einem Treffen der beiden Giganten. “Es ist geläufiges Wissen, dass die Theorie über das Unterbewusste im Surrealismus eine große Rolle spielt”, erläutert Rollig. “Wir wollen konkret zeigen, in welchen Bildern von Salvador Dali sich Thesen, Denkfiguren oder Metaphern von Sigmund Freud besonders deutlich niederschlagen.”

Einen großen Publikumszuspruch erwartet sie sich auch von einer etwas anderen Schau zu Gustav Klimt im Sommer, in der die digitale Erschließung seines Werks im Zentrum steht. “Wir werden mit einem wissenschaftlichen und gleichzeitig spielerischen Zugang versuchen, die Farbigkeit der verloren gegangenen Fakultätsbilder zu rekonstruieren”, verrät Rollig einen Aspekt. “Wir werden auch verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten digitaler Technologien auf Gemälde vorstellen: hochauflösende Aufnahmen, Augmented Reality, Virtual Reality. Es wird im besten Sinne eine multisensorische, multimediale Ausstellung sein, mit der Klimt mit ganz zeitgemäßen Mitteln untersucht und präsentiert wird.”

Die Rückschau der Belvedere-Generaldirektorinauf 2019 fällt positiv aus: Ein erneutes Besucherplus, ein Überraschungserfolg mit “Stadt der Frauen” und wachsendes Interesse am Belvedere 21 sind die Kernpunkte der Jahresbilanz. Pläne für zwei Großprojekte reichen zugleich schon über das kommende Ausstellungsjahr hinaus: ein unterirdisches Besucherzentrum im Oberen Belvedere und die Eröffnung der Salzburg-Dependance.

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