Benjamin Schmid: Béla Bartók. Die Violinkonzerte 1/2 (Gramola)

Stargeiger Benjamin Schmid hat zu seinem „Fünfziger“ im September die zwei Violinkonzerte von Béla Bartók eingespielt, die nicht gerade zu den zugänglichsten der Konzertliteratur zählen. Das erste Konzert op. posth. Sz 36 aus 1908 hat Bartók einer von ihm angebeteten Geigerin gewidmet und ihr das Manuskript übergeben, so dass bis zu seinem Tod 1945 nichts von dessen Existenz bekannt gewesen ist. Erst 1956 gelangte es an die Öffentlichkeit. Anhand dieses Frühwerks ist die persönliche Entwicklung des ungarischen Komponisten, seine Distanzierung vom typischen Folklorestil und die Hinwendung zu schöpferischer Individualität deutlich herauszuhören. Nachdem er sich die typischen Wendungen der Volksmusik zu eigen gemacht hatte, hat er den Fokus auf mitteleuropäische Tradition gerichtet. Gerade dies macht die Aufnahme des ersten Konzertes gemeinsam mit dem dreißig Jahre später entstandenen zweiten Konzert, dem letzten Solokonzert vor Bartóks Emigration in die USA, so wertvoll. Schmid arbeitet den Unterschied mit größter Sorgfalt heraus. Neben der ungarischen Melodik erwartet den Hörer zwölftönige Motivik, sogar die Vierteltonschritte der Solostimme werden präzis nachgezeichnet. Begleitet wird der Wiener Geiger vom Pannonischen Philharmonischen Orchester, das mit Chefdirigent Tibor Bogányi internationale Erfolge einheimst.

G. Szeless