Bereits mehr als 500 Tote bei Protesten in Myanmar

Die Zahl der Toten in Myanmar seit dem Putsch vor zwei Monaten ist nach dem bisher blutigsten Wochenende weiter gestiegen. Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge sind bisher mindestens 510 Menschen durch die Gewalt des Militärs ums Leben gekommen. Beobachter gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Allein am Samstag hatten Einsatzkräfte mehr als 100 Menschen getötet. Auch am Dienstag soll es Medienberichten zufolge wieder mehrere Tote gegeben haben.

Indes beteiligten sich am Dienstag zahlreiche Menschen in der ehemaligen Hauptstadt Yangon an einem „Müllstreik“. Die Organisation „Clean Yangon“, die normalerweise dabei hilft, die Straßen Yangons sauber zu halten, hat die Bürger auf Facebook aufgefordert, möglichst viele Abfälle mitten auf den Straßen abzuladen. „Lasst uns Müllbeutel und anderen Unrat aus unseren Häusern auf die Straße werfen“, hieß es. Fotos in sozialen Netzwerken zufolge türmten die Abfälle in verschiedenen Stadtvierteln. Proteste mit Tausenden Teilnehmern gab es auch wieder in zahlreichen anderen Regionen des Landes.

Im östlichen Karen-Staat flog das Militär Luftangriffe. Dabei seien mindestens sechs Zivilisten ums Leben gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Khit Thit Media. Tausende Menschen aus der Region sind auf der Flucht ins benachbarte Thailand.

Seit dem Militärputsch vor rund acht Wochen sieht sich die Junta in Myanmar massiven Protesten gegenüber, gegen die sie äußerst brutal mit Tränengas, Gummigeschoßen und scharfer Munition vorgeht. Das sorgt auch international für immer größeres Entsetzen. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freilassung der entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und eine Rückkehr zur Demokratie.

UNO-Generalsekretär António Guterres rief die internationale Gemeinschaft unterdessen zu „mehr Engagement“ auf, um Druck auf die Junta auszuüben. Angesichts der brutalen Unterdrückung von Demonstranten in Myanmar sagte Guterres: „Es ist absolut inakzeptabel, Gewalt gegen Menschen von einem derartigen Ausmaß zu sehen, so viele tote Menschen.“ Der UNO-Sicherheitsrat will sich am Mittwoch mit der jüngsten Gewalt gegen Demonstranten beschäftigen. Die Sitzung hinter verschlossenen Türen finde auf Antrag Großbritanniens statt, verlautete aus Diplomatenkreisen in New York.

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Vier bewaffnete ethnische Gruppen drohten indes, die Bevölkerung zu unterstützen, sollte die Junta die Gewalt nicht beenden. Die neue Militärführung müsse die politische Krise lösen und auf die Forderungen der Bevölkerung eingehen, so die Rebellengruppen. Wenn das Militär diese Forderungen nicht erfülle und weiter töte, dann werde man den Menschen dabei helfen, sich selbst zu verteidigen.

Im Vielvölkerstaat Myanmar leben 135 staatlich anerkannte Ethnien. Besonders im Kachin-Staat im Norden und im Shan-Staat im Osten kommt es schon lange zu immer neuen Kämpfen zwischen dem Militär und bewaffneten Gruppen. Mehr als 20 ethnische Gemeinschaften kämpften landesweit schon lange vor dem Umsturz für mehr Autonomie und Selbstbestimmung.

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