Berglandmilch-Chef Braunshofer ortet großen Optimismus

Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer über Lebensmittelpreise, Exporte und Lehrlingssuche

Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer: „Mehrmals täglich Milchprodukte zu konsumieren, sehen wir durchaus als gesund an. Wir als Unternehmen versuchen auch, die Botschaft zu leben, dass heimische Milch und Milchprodukte gut und gesund sind.“
Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer: „Mehrmals täglich Milchprodukte zu konsumieren, sehen wir durchaus als gesund an. Wir als Unternehmen versuchen auch, die Botschaft zu leben, dass heimische Milch und Milchprodukte gut und gesund sind.“ © Berglandmilch

VOLKSBLATT: Infolge der Corona-Krise hat der Einzelhandel geboomt und die Gastrobranche hat stark gelitten? Wie erleichtert sind Sie über die Öffnungsschritte?

JOSEF BRAUNSHOFER: Die ersten Bestellungen aus der Gastrobranche geben großen Anlass zum Optimismus, auch wenn der Städtetourismus noch verhalten ist. Wir haben auch im Jahr 2020 keinen Umsatzrückgang gehabt – der Rückgang in der Gastro wurde durch den Handel kompensiert.

Dann blicken Sie auch zuversichtlich auf 2021 hinsichtlich des Umsatzes?

Das können wir noch nicht prognostizieren. Die Frage ist, ob der Lebensmittelkonsum – und damit der von Milchprodukten – zu Hause zurückgehen wird, weil die Gastronomie offen hat. Oder wird der auf dem höheren Niveau verharren.

Wie gestaltet sich die Lehrlingssuche?

Wir suchen nach wie vor und meinen, dass wir da und dort sogar mehr Lehrlinge ausbilden könnten. Aber wir merken, dass wir nicht von Lehrlingen überrannt werden.

Hängt das mit den Standorten zusammen, die ja eher dezentral liegen?

Ich glaube nicht, denn die Mobilität ist ja prinzipiell gestiegen. Wir suchen in Wörgl, Voitsberg, Aschbach, Geinberg und Feldkirchen Mitarbeiter. Vielleicht muss man generell noch stärker an der Attraktivität der Lehre arbeiten, obwohl da schon viel passiert ist. Und die Lehrlingsausbildung in Österreich ist sehr gut – mit einer Ausnahme.

Die da wäre?

Bei der Fremdsprachenausbildung hapert es. Vor allem Englisch. Mit Englisch kommt man im Wirtschaftsleben auf der gesamten Welt sehr gut weiter. Wenn ich etwa einen bestens ausgebildeten IT-Lehrling oder Mechatroniker habe und dieser kann nicht mit einem IT-Techniker einer englischsprachigen Firma kommunizieren, ist das kontraproduktiv.

Und Englisch beziehungsweise Fremdsprachen sind auch wichtig für den Exporterfolg.

Definitiv. Wir sind dort übrigens sehr gut unterwegs.

Welche Märkte sind da besonders im Fokus?

Unser Exportanteil liegt konstant bei 40 Prozent. Wichtigste Märkte sind Deutschland, gefolgt von Italien und Spanien. In den vergangenen Jahren liefern wir immer mehr nach China?

Welche Produkte und warum China?

Immer mehr Chinesen entdecken, dass Milch ein nachhaltiges, gesundes Lebensmittel ist und deren Nachfrage steigt daher seit Jahren konstant an. Hauptsächlich liefern wir haltbare flüssige Milchprodukte und seit Kurzem vermehrt neutrale, milde Käsesorten. Mittlerweile geht ein gutes Viertel unserer Exporte nach China.

Wie passen lokale Lebensmittelverkäufe, regionale Wirtschaftskreisläufe und Exporte nach China zusammen?

Wenn chinesische Kunden zu uns kommen, sind sie beeindruckt von der Qualität und davon, wie die Produkte erzeugt werden. Und sie sind von der naturnahen Landwirtschaft und den hohen Standards – auch beim Tierwohl – begeistert. Da ist die österreichische Milchproduktion weltweit auf höchstem Niveau. Bei unseren Milchbauern haben alle Kühe noch einen Namen – im Gegensatz zu Betrieben in Norddeutschland oder Osteuropa. Und – unsere Kühe trinken Trinkwasser. All das wirkt sich auf die Qualität aus.

Das rechtfertigt dann auch höhere Preise?

Ich denke schon.

Sind die Konsumenten bereit, diese auch zu bezahlen? Und wie sehen Sie dann Rabattaktionen von Handelsketten?

Zum überwiegenden Teil, ja. Denn Qualität hat ihren Preis. Ich verstehe viele Rabattaktionen nicht, beispielsweise auch, warum wir in Österreich das Preisniveau aus dem deutschen Diskontmarkt brauchen. Denn wenn etwas billiger wird, wird in der Regel die Qualität nicht besser. Da darf man die Augen nicht verschließen, denn man muss sich immer fragen, wie das überhaupt funktionieren soll, denn die Landwirte müssen auch von etwas leben. Es kann ja keiner zaubern und billige Produkte gehen auch zu Lasten von etwas – etwa Produktqualität oder Tierwohl.

Mit Berglandmilch-Chef JOSEF BRAUNSHOFER sprach Oliver Koch

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