Bergwelten eines Malers, Kuriositäten eines Sammlers

Nordico Linz präsentiert 200 Arbeiten von Egon Hofmann-Linz und die „Wunderkammer Pachinger“

Egon Hofmann-Linz: Kletterer (Sächsische Schweiz), 1918
Egon Hofmann-Linz: Kletterer (Sächsische Schweiz), 1918 © Repro Norbert Artner

Einem großen Gönner, Gründer und Künstler der Stadt Linz widmet sich die aktuelle Schau im Nordico, die ab heute zu sehen ist: Egon Hofmann-Linz (1884-1972), aus dessen Oeuvre bis 26. April 200 Werke gezeigt werden. „Hofmann prägte die Stadt Linz nicht nur durch sein künstlerisches Schaffen. Durch seine Beteiligung an den Künstlervereinigungen ,Der Ring’ und ,Maerz’ sowie der Gründung des Egon-Hofmann-Hauses ist sein positiver Einfluss in der Stadt bis heute spürbar“, beschreibt Nor- dico-Leiterin Andrea Bina die Bedeutung des Künstlers. „Mit der Ausstellung zu Egon Hofmann arbeitet das Nordico erneut die bedeutsame Rolle eines Linzers vor dem Hintergrund der Stadtgeschichte auf“, ergänzte die Linzer Kultur-Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer.

So groß wie das Netzwerk des aus einer Unternehmerfamilie stammenden Künstlers, so breit gestreut sind auch auch die 40 Leihgeber der Schau: von Stadt und Land über Institutionen wie die Oberbank, die Hofmann mitbegründete, bis hin zu Enkeltochter Eva Hofmann, die neben künstlerischen Arbeiten auch mit dem Tagebuch ihrer Urgroßmutter viel Wissenswertes über die Familie beisteuerte.

Die künstlerische Begabung erbte Egon Hofmann von seiner Mutter, die u. a. die erste Malschule in Linz gründete. Hofmann absolvierte nach dem Studium der Rechtswissenschaften eine Ausbildung zum akademischen Maler in Stuttgart und Dresden. Dort und bei vielen Auslandsaufenthalten sog er alles, was mit der gerade beginnenden Moderne in der Kunst überall aufzuleben begann, in sich auf. „Und verarbeitete es in seinen Werken zu Neuem“, wie Kuratorin Michaela Nagl erklärt.

Hofmanns Werk steht am Beginn der Moderne in OÖ

Im Werk Hofmanns drücken sich nicht nur Einflüsse von französischen Impressionisten oder Künstlern der „Brücke“ aus, sondern in vielen Darstellungen mitten aus den Bergen auch Hofmanns Begeisterung für die Bergwelt und den Alpinismus. Hofmanns Bilder sind streng komponiert, muten teilweise fast abstrakt an. Besonders wichtig war ihm die Farbwahl. „Alfred Kubin nannte Hofmann wegen der perfekten Wiedergabe von Schnee und Eis ,Meister der Firne’“, so Nagl. Selbstporträts gibt es keine von ihm, dafür aber einige großartige Porträts von Verwandten und ihm nahestehenden Persönlichkeiten. Großen Wert legte der Künstler, der 1920 endgültig nach Linz zurückkehrte und seine Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt schon früh mit dem zweiten Namen Linz ausdrückte, stets auf die Abstimmung der Farben, eine Noblesse, die sich besonders in seinen Stilleben ausdrückt. Von Hofmanns Liebe zum Mühlviertel und seiner Reisetätigkeit durch ganz Europa erzählt ein Raum der Ausstellung. „Als ihm das Bergsteigen nicht mehr so leicht fiel, entdeckte er das Mühlviertel für sich“, so Bina. Vor allem Oberneukirchen und die Landschaften in der Umgebung hielt er in seinen Arbeiten fest. Der letzte Raum zeigt auch Hofmanns meisterhafte Holzschnittkunst.

Von Strumpfbändern bis Stifters Hyalithglas

Strumpfbänder, alte Waffen, Stifters Hyalithglas, mit dem dieser einst die Sonnenfinsternis beobachtete: Besondere Stücke aus dem reichen Fundus eines obsessiven Sammlers sind als „Wunderkammer Pachinger“ in die Sammlungspräsentation „100 % Linz“ eingezogen: Anton Maximilian Pachinger (1864-1938), Sohn einer Linzer Eisenhändlerfamilie, konnte es sich als Erbe leisten, dieser Leidenschaft sein ganzes Leben lang intensiv nachzugehen. Dabei interessierte er sich stets für das Außergewöhnliche, das Kuriose. Die Sammlung mit archäologischen, volkskundlichen, kultur- und alltagshistorischen Artefakten hat er schon 1928 der Stadt Linz vererbt, zugänglich wurde sie 1938, aber erst 1973 kamen die Schätze ins neu gegründete Nordico, wo sie lange ein eher verborgenes Dasein fristeten. Den Bestand mit rund 4000 Objekten aufzuarbeiten, war dann auch eine Mammutaufgabe, die Lisa M. Schmidt leistete. Die junge Kuratorin hat sich mit der Ausstellungsgestaltung auch etwas getraut und versteht es damit, das Interesse zu wecken: Ein Netzwerk, eine Wolke aus Einzelstücken, die von der Decke baumeln, zieht in den Bann — Spazierstöcke, der Stammbaum des Sammlers aus Einzelporträts, kleine Putten, Postkarten und vieles andere fordern Zeit für eine Betrachtung, die sich als höchst spannend erweist.

Für beide Ausstellungen wird ein Rahmenprogramm geboten. Zur Hofmann-Schau ist ein 300 Seiten schwerer Katalog erschienen. www.nordico.at

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