Berlin als Vorbild für Oberösterreich

Die deutsche Bundeshauptstadt entwickelte sich zur hippen, digitalen Start-up-Metropole

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V. l: WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer, der deutsche Innenminister Horst Seehofer, LH Thomas Stelzer und LH-Stv. Michael Strugl
V. l: WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer, der deutsche Innenminister Horst Seehofer, LH Thomas Stelzer und LH-Stv. Michael Strugl © Land OÖ/Grilnberger

Von Christoph Steiner aus Berlin

Ideen aus der hippen Gründer-Hochburg und Millionenstadt für Oberösterreich: Eine Wirtschaftsdelegation angeführt von LH Thomas Stelzer, seinem Stellvertreter Michael Strugl und WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer überzeugte sich dieser Tage in Berlin, wie sich die deutsche Bundeshauptstadt von einer arbeitsmarkttechnischen Problemregion in einen Anziehungspunkt für Start-up-Unternehmen entwickelte.

Den Wandel in den Genen

Die Arbeitslosigkeit in Berlin schrumpfte innerhalb der vergangenen zwölf Jahre von knapp 20 auf 8,5 Prozent – nicht zuletzt dank neuer Unternehmen aus dem digitalen Bereich. Diesen Vorgang heftet sich zu einem Teil auch die Standortentwicklungsagentur „Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie“ auf ihre Fahnen. Stefan Franzke, der für internationale Projekte zuständige Manager der Agentur, begründet diese Verbesserung neben eigenen Anstrengungen auch mit der historischen Entwicklung der Stadt. 28 Jahre teilte die Mauer die Stadt, 28 Jahre ist Berlin heuer wieder vereint. „Der Wandel steht für die Stadt“, gibt Franzke zu bedenken. „Es gibt einen atemberaubenden Strukturwandel in der Stadt, darin verstehen wir uns. Mehr als die Hälfte der neuen Start-ups in Deutschland wird in Berlin gegründet“, verdeutlicht der Experte ein der Triebfedern der stark innovationsgetriebenen Gründerszene.

Dabei steht natürlich auch die Digitalisierung im Vordergrund – neue Wege wollen bestritten werden. 90 Prozent der aufstrebenden Unternehmen gehen neue Wege, beschäftigen sich mit neuen Produkten und Serviceleistungen. „Berlin versteht sich als hippe Stadt“, betont auch Projektmaneger-Stadt Benjamin Horn die Fokussierung auf Neues und die Abkehr vom Mainstream.

Das hippe Umfeld, die gemeinschaftliche Szene – diese Schlagwörter hört man in Berlin immer wieder als Gründe für den Start-up-Boom. Ein perfektes Umfeld also, ein Vorbild auch für Oberösterreich?

Attraktivität des Standortes

„Die Attraktivität eines Standortes zieht Leute an“, ist sich Stelzer bewusst. „Wir sind keine Millionenmetropole wie Berlin. Aber Lebensqualität, ein spannendes Umfeld – dieses Grundkonzept hat auch Oberösterreich zu bieten,“ betont er. Dazu sollen die Vorzüge des Landes noch mehr in den Vordergrund gerückt werden. Etwa dass Linz eine Campus-Uni habe oder es sehr kurze Wege zwischen Wissenschaft und Unternehmen gäbe. Diese Vorzüge sollen die Menschen nach Oberösterreich locken, so der Landeshauptmann. Mit den richtigen Leuten soll so der Standort nach vorne gebracht werden. „Das wichtigste ist, immer zu lernen. Im internationalen Wettbewerb braucht es Innovation, sonst wird man schnell überholt“, erklärt Stelzer. Hier könne das Land die entscheidenden Rahmenbedingungen schaffen, betont er. Der Staat solle möglichst nicht im Weg stehen, „wenn Forscher und Unternehmen vorangehen wollen“.

Als international gesehen kleines Bundesland müsse sich Oberösterreich auf seine Stärkefelder konzentrieren, sagt Wirtschaftsreferent Strugl die Fokussierung auf Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz als wichtigen Weg für das Land. Hier will man mit Innovationen punkten, dazu auch die Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung verstärken. Als kleines Land werde man aber nicht an der Kostenfront gewinnen, sondern müsse auf der Seite der Innovationen punkten, sieht er die Spezialisierung als richtigen Weg.

Beim Besuch in Berlin traf die Delegation auch mit deutschen Spitzenpolitikern wie Innenminister Horst Seehofer und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zusammen. Neben anderen wichtigen Fragen in der gemeinsamen Asylpolitik wurden dabei auch die Grenzkontrollen zwischen Oberösterreich und Bayern thematisiert, die gerade für Pendler und die Wirtschaft ein großes Problem darstellen. Diese werde es noch länger geben, so Stelzer, aber man werde gemeinsame Lösungen suchen, wie Staus künftig vermieden werden können, erklärte WKOÖ-Präsidentin Hummer. Überdies soll weiter an einer Verbesserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Berlin und Oberösterreich gearbeitet werden, so Hummer.

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Der Autor nahm auf Einladung des Landes OÖ an der Reise nach Berlin teil.