Berliner Imamin plant in Wien liberale Moschee

Seyran Ates auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten und nach Muslimen, die keine Angst vor Extremisten haben

Bald auch in Wien? Die Berliner Imamin Seyran Ates (l.) in ihrer Berliner Moschee, wo Frauen und Männern zum Ärger islamischer Fundis gemeinsam beten.
Bald auch in Wien? Die Berliner Imamin Seyran Ates (l.) in ihrer Berliner Moschee, wo Frauen und Männern zum Ärger islamischer Fundis gemeinsam beten. © AFP/MacDougall

Von Manfred Maurer

Seit Juni 2017 hat Seyran Ates verstärkten Polizeischutz. Der Grund: Massive Morddrohungen, welche die deutsch-türkische Rechtsanwältin und Imamin mit ihrem Projekt für einen modernen Euro-Islam provoziert. Im Berliner Stadtteil Moabit eröffnete sie die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, wo Muslime aller Glaubensrichtungen sowie Frauen und Männer gemeinsam beten. Auch den Zorn der türkischen Religionsbehörde Diyanet zog sie sich damit zu. Bei der Moschee handle es sich um „nichts anderes als einen Versuch zur Verfälschung der Religion“, schimpfte Diyanet-Direktor Mehmet Görmez.

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Demnächst könnte er neuerlich Anlass zu Protest haben. „Ich habe die Absicht, auch in Wien eine solche Moschee zu gründen“, sagt Ates zum VOLKSBLATT. „Ich hoffe, dass wir bis Jahresende wenigstens den Raum dafür haben.“ In Berlin wurden die Moschee-Räumlichkeiten von der evangelischen Kirche angemietet.

Schweigende Mehrheit für säkularen Islam

Die passende Lokalität zu finden ist allerdings nur ein Problem. Das andere, wohl größere, ist die Suche nach Muslimen, die bereit sind, sich für eine solche Moschee zu engagieren. Seyran Ates, die am Montag zum Forum Alpbach und am 3. September nach Linz kommen wird, ist zwar überzeugt, dass die schweigende Mehrheit der Muslime durchaus einem säkularen Islam anhängt, aber dies aus Angst vor den Fundis nicht offen zur Schau trägt. Ates: „Diejenigen, mit denen ich in Österreich über das Projekt schon gesprochen habe, sagen im ersten Atemzug, ‚das wäre wunderbar, aber ich hätte Angst, dabei mitzumachen, weil ich nicht so leben möchte wie du’“. Aus dieser Bedrohungssituation entsteht für Ates auch „die Wahrnehmung, der muslimische Mainstream sei konservativ: weil die anderen eingeschüchtert sind und sich nicht trauen“.

Um den Umgang mit dem islamischen Extremismus geht es auch im ausführlichen Interview mit Seyran Ates, das Sie morgen im VOLKSBLATT lesen.