Berlioz-Klänge & Roboter-Tanz

Ars Electronica: „Große Konzertnacht“ mit Bruckner Orchester & SILK Fluegge begeisterte

Eine Maschine als Turngerät: Silke Grabinger auf dem Industrieroboter KUKA KR 600
Eine Maschine als Turngerät: Silke Grabinger auf dem Industrieroboter KUKA KR 600. © vog photo

Von Georgina Szeless

Seit 2003 sind Auftritte des Bruckner Orchesters ein Fixpunkt im Programm des Ars Electronica Festivals. Am Sonntag wurde mit einer weiteren Performance unter dem Titel „Die große Konzertnacht“ aufgewartet. Eine regelrechte Völkerwanderung bewegte sich Stunden vorher in die Gleishalle der Postcity, um einen Sitzplatz zu ergattern. Beginn sollte um 18.30 Uhr sein, aber es wurde später, das reichhaltige Programm erstreckte sich schließlich bis 23.30 Uhr. Ob alle Besucher bis dahin ausharrten, muss offen bleiben, nach der getanzten Berlioz-Sinfonie als Attraktion bewegten sich jedenfalls Massen zum Ausgang und schenkten sich weitere vier Teile der Konzertnacht.

bezahlte Anzeige

Klassische Musik und technische Kunst gingen an diesem Abend eine großartige, interessante Partnerschaft ein, was schon das Einstimmungsstück erleben ließ. Es hieß „Communicating Monologues“, ausgeführt von Josef Klammer und Jaap Blonk mit computergestützten synthetischen Stimmen und Schlagzeug. In Klang und Ton aufregende, kunstvolle Silbenspielereien zur Raumbeschallung, deren Inhalt zwar fremd blieb, die aber mit souveränem künstlerischen Können überzeugend serviert wurden.

Das „Hauptkunststück“ bildete die tänzerisch aufbereitete „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz in fünf Sätzen, ein mit seinem thematischen Leitmotiv schon insofern aus einem einzigen Stein gemeißelter Monolit, als die erlebte Programm-Musik die erste eingestandene Autobiografie der absoluten Musik bildet. Berlioz stellt darin die Liebe zu seiner späteren Frau, der Schauspielerin Harriet Smithson dar — mit allen Träumen, Sehnsüchten und Enttäuschungen, die zu einem visionären tragischen Ende führen. Dass diese Romantik in dem nach dem Vorbild Beethovens klassisch geformten Werk durch bildliche und tänzerische Animationen vor Videoprojektionen im Hintergrund so stark an Ausdruck gewinnt, hatte man sich kaum vorstellen können. Die fünf Abteilungen hatten ihre Entsprechung in den genialen Bewegungskünsten der Tänzer von SILK Fluegge (Silke Grabinger, Gergely Dudás, Elias Choi Buttinger). Sie wurden umgeben von Spezialeffekten, die Ursula Neugebauer beisteuerte: kreisende, knallrote Kostüme und ein drehfreudiger, als Turngerät verwendbarer Roboter. Leider waren die Tänze meist mitten im Orchester nicht von überall einsehbar.

Poschner und Orchester lautstark gefeiert

Die Musiker des Bruckner Orchesters spielten die merkbare Leidenschaft Markus Poschners für Berlioz am Pult aus. Dröhnendes Trommelfeuer, eine bewundernswerte Spezialeinlage als Überraschung der Schlagwerktruppe im dämonischen Klangrausch vor dem Finalsatz, symbolisierte den ganzen Hexenspuk und das Gespenstertreiben des Traumes. Unter Begeisterungsschreien und orgiastischem Gebrüll bahnte sich Poschner am Schluss den Weg zum Auditorium, das ihn und sein Orchester mit Standing Ovations feierte.