Bernhard Aichner: Bösland

„Bösland“ hat Bernhard Aichner seinen neuen Thriller genannt. Es ist die Geschichte zweier Freunde, Ben und Felix. Der eine leidet unter seinem Vater, der ihn immer wieder schlägt, der andere ist Sohn des wohlhabenden Dorfarztes. Als sich Bens Vater erhängt, ist das ein Freudentag für seinen Sohn. Drei Jahre später sind die beiden Buben in Matilda verliebt. Doch am Dachboden ereignet sich eine Bluttat, die sich niemand erklären und an die sich Ben danach auch nicht erinnern kann. Dennoch wandert er für Jahre in eine psychiatrische Anstalt. Nach seiner Entlassung fasst Ben wieder Fuß im bürgerlichen Leben, arbeitet in einem Fotolabor, bis ihn ein Foto wieder mit dem einstigen, mittlerweile schwerreichen Freund konfrontiert. Ab diesem Zeitpunkt ist alles anders. Aichner arbeitet geschickt mit kurzen, flashartigen Szenen und Dialogen und streut immer wieder Gespräche mit Bens Therapeutin ein, die ihn drängt, sich seiner Vergangenheit zu stellen, um so den entscheidenden blinden Fleck beseitigen zu können. Die Erinnerung kommt tatsächlich wieder. Allerdings auf ganz andere Art und Weise als erwartet. Echte Überraschungen bleiben jedoch aus. Die Kartographie von „Bösland“ wirkt insgesamt sehr am Reißbrett konstruiert, von den holzschnittartigen Figuren und kolportagehaften Handlungsverläufen bis zu einem ausgiebigen, auf Exotik setzenden Thailand-Ausflug. In „Bösland“ regiert das Krimihandwerk.

Bernhard Aichner: Bösland. btb, 446 Seiten, 20,60 Euro