Bernhard-Stipendium für Tiroler Autor

    Martin Plattner erhält vom Linzer Landestheater 5500 Euro und Stückauftrag

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    Stipendiat Martin Plattner
    Stipendiat Martin Plattner © David Payr

    Martin Plattner erhält das mit 5500 Euro dotierte Thomas-Bernhard-Stipendium 2018 des Linzer Landestheaters. Neu ist, dass damit auch ein Stückauftrag verbunden ist. Was genau er in der nächsten Spielzeit auf die Bühne bringen wird, ist noch offen — es wird aber wohl um eine Frauenfigur der Generation 50-plus gehen, wie der aus Tirol stammende Autor verrät.

    Die „sehr eigenständige Bild- und literarische Sprache“ Plattners habe die Dramaturgie des Landestheaters zu der einstimmigen Überzeugung gebracht, das Stipendium an den 1975 geborenen Autor zu vergeben, erklärte Dramaturg Andreas Erdmann. Vor Martin Plattner haben dieses u. a. schon Thomas Arzt, Thomas Köck oder Christoph Nussbaumeder erhalten.

    Frauenfiguren 50-plus

    Plattner ist im Tiroler Pitztal aufgewachsen. Schon bald zog es ihn aber in die Stadt — zunächst nach Innsbruck, später nach Wien. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und arbeitete daneben als Inspizient, Regie- sowie Kostümassistent — „Ich kann sehr gut Hosen raufnähen und säumen“ — und schließlich als Dramaturg sowie als freier Schriftsteller. Das Schreiben ist jene Tätigkeit, bei der er auch bleiben will. Plattner sieht sich als reiner Dramatiker, für Lyrik oder Prosa habe er „keine Ambitionen“.

    Sein Kammerspiel „Maultasch“ wurde 2015 am Landestheater Innsbruck uraufgeführt. Mit „antimortina“ holte er sich den Ersten Preis bei den Bozner Autorentagen 2015, zwei Jahre später kam das Stück an den Vereinigten Bühnen Bozen auf die Bühne. Weitere Arbeiten wurden u. a. am brut im Künstlerhaus in Wien und im Laboratorio Arte Alameda in Mexiko-Stadt gezeigt.

    „Zentral sind für mich Frauenfiguren 50-plus“, sagte Plattner. Denn diese würden oft nicht zu Wort kommen und seien auch auf der Bühne unterrepräsentiert. „Mich ärgert das maßlos.“ Er sei selbst mit einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter, Tanten und der Großmutter aufgewachsen, begründet er seinen Fokus. „Die Oma hat bis 77 als Schulwartin gearbeitet“ und sei für ihn auch literarisch prägend gewesen: „Sie konnte kaum rechtschreiben, aber sie war eine großartige Geschichtenerzählerin.“

    Auch unter den schreibenden Profis haben ihn vor allem Frauen fasziniert, wie er schilderte, allen voran Elfriede Jelinek.