Betriebe fordern geschlossen Lockdown-Ende am 11. Dezember

Geradezu in einem Stakkato aus Presseaussendungen haben am Freitag Branchenvertreter die von der Regierung anvisierte Beendigung des Lockdowns am Samstag dem 11. Dezember eingefordert. Für Ungeimpfte soll es nach derzeitigen Regierungsplänen ohnehin kein vollständiges Aufsperren geben. „Wir brauchen die Öffnung am 13. Dezember“, so Handelsobmann Rainer Trefelik. Die Vorweihnachtszeit sei die umsatzstärkste Zeit im Handel.

„Auch wenn die Unterstützungsmaßnahmen der Regierung, wie zum Beispiel der Ausfallsbonus oder die Verlängerung der Kurzarbeit wichtig sind, kann der Ausfall des Weihnachtsgeschäfts nicht kompensiert werden“, gibt Trefelik zu bedenken. Auch die Floristen streuen keine Rosen. Sie merken an, dass ein Großteil des Geschäftes durch die Pandemie ohnehin verloren gegangen ist und nun eine der wichtigsten Saisonen bevorstehe. „In den sechs Wochen vor Jahresende, also ab Mitte November, machen unsere Betriebe rund ein Drittel ihres Jahresumsatzes“, rechnet Bundesinnungsmeister Johann Obendrauf vor.

Als „existenziell notwendig“ bezeichnet Wolfgang Suitner, Bundessprecher der Österreichischen Veranstaltungsbetriebe, ein Ende des Lockdowns am 11. Dezember. „Die Gerüchte über eine Verlängerung für einzelne Branchen, so auch die Eventbranche, ist für unsere Mitgliedsbetriebe ein Schlag ins Gesicht, schafft Verunsicherung und bestraft in erster Linie all jene, die bisher alle Schutzmaßnahmen mitgetragen und eingehalten haben“, betont Suitner.

Auf die Barrikaden klettern auch die Fitnessklubbetreiber. „Eine Verlängerung des Lockdowns wäre für viele Betriebe sowohl wirtschaftlich als auch emotional nicht mehr zu stemmen. Aufgrund der fehlenden Planungssicherheit denken viele ans Aufgeben. Auch viele Mitarbeiter überlegen, die Branche zu wechseln“, erklärt Branchensprecher Christian Hörl.

Aufgeheizt ist die Stimmung ebenso bei den Thermenbetrieben. „Viele unserer Betreiber stoßen nun langsam aber sicher an die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren und brauchen die versprochene Öffnung. Da gerade in den Weihnachtsferien zumindest die Möglichkeit besteht, die bisherigen wirtschaftlichen Verluste etwas abzufedern,“ gibt Thermensprecher Patrick Hochhauser zu bedenken.

Auf die Füße getreten fühlen sich auch die Tanzschulen. Als deprimierend und kräfteraubend beschreibt Sprecher Andy Wankmüller die aktuelle Situation seiner Branche. Der Großteil der Umsätze werde in den Herbst- und Wintermonaten erwirtschaftet.

Eine weitere Verlängerung des Lockdowns wäre für die österreichische Kino- und Kulturwirtschaft eine Katastrophe, laufende mediale Spekulationen dazu sorgen für Unverständnis und Frust unter den Betrieben, sagt wiederum Christian Dörfler, Obmann des Fachverbandes der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe.

Dass der Lockdown für Geimpfte und Genesene an einem Samstag und nicht zum Wochenende endet ist darin begründet, dass er im Hauptausschuss des Nationalrates nur jeweils für zehn Tage genehmigt wird, es für eine Verlängerung bis Sonntag also einen eigenen Beschluss für nur einen Tag benötigt hätte.

Von der Regierung wurde der Lockdown mit Vorbehalt mit Ende 11. Dezember für Geimpfte und Genesene am Tiroler Aachensee beschlossen, wodurch die Gastrobranche gerne von einem „Aachensee-Vertrag“ spricht. Dass auf der Gerüchtebörse über unterschiedliche Öffnungsschritte je nach Branche diskutiert wurde – Handel schon, Gastro und Hotels nicht – hatte zuletzt auch für Verstimmung zwischen den Interessensverbänden gesorgt.

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