Beurteilung wird „mit Augenmaß“ erfolgen

Bildungsdirektor Alfred Klampfer sieht die Schulen in OÖ für den Neustart am 18. Mai gerüstet

Bildungsdirektor Alfred Klampfer © Land OÖ

Am 18. Mai werden die rund 121.000 Schülerinnen und Schüler der Volks-, Sonder- und Neuen Mittelschulen sowie der AHS-Unterstufen in OÖ wieder in das Schulhaus zurückkehren. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Laut Bildungsdirektor Alfred Klampfer gibt es keine Pauschallösungen, sondern es braucht „viel Improvisationsvermögen“ direkt am Schulstandort.

VOLKSBLATT: Kommende Woche wird der Unterricht zum Großteil auch wieder in den Schulen stattfinden. Wie gut sind die Schulen in OÖ darauf vorbereitet?

KLAMPFER: Die Schulleiterinnen und Schulleiter versuchen gerade mit ihren Teams die vorgeschriebenen Maßnahmen bestmöglich umzusetzen. Manche stehen hier vor neuen Herausforderungen, für die es keine Pauschallösungen gibt und die direkt am Schulstandort mit viel Improvisationsvermögen gelöst werden. Ich bin mir sicher, dass dem „Schulstart“ am 18. Mai nichts im Wege steht und freue mich, dass die Kinder und Jugendlichen wieder zurück sind an den Standorten und gemeinsam mit ihren Freunden die letzten Wochen in die Schule gehen dürfen.

Im Zuge der Vorbereitungen gab es zumindest einige Verunsicherung. Konnten diese Sorgen ausgeräumt werden?

Es gibt noch Standorte, welche die eine oder andere Herausforderung noch lösen müssen. Hauptthema Nummer eins ist hier sicherlich der Platzmangel bzw. der Mangel an Tischen. Durch den vorgeschriebenen Abstand bräuchten wir an manchen Schulen viel mehr Tische als vorhanden, speziell dann, wenn viele Kinder in Betreuung geschickt werden. Das lässt sich natürlich nicht so schnell lösen. Hier ist eine gute Absprache mit den jeweiligen Schulerhaltern sehr wichtig.

Es ist etwa geregelt, dass die Radfahrprüfung für die Volksschüler der 4. Klasse mit Auflagen stattfinden kann. Aber gibt es noch Unklarheiten? Etwa für jene Kinder, die betreut werden sollen: Müssen sich diese anmelden und können sie wegen Platzmangels oder aus anderen Gründen abgewiesen werden?

An den Schulen wird abgefragt, welche Schülerinnen und Schüler an den kommenden Tagen zur Betreuung kommen. In Ausnahmefällen kann das auch spontan erfolgen. Grundsätzlich müssen alle Schüler genommen werden. Wir wissen aber schon von vielen Eltern, dass sie die Kinder nicht in die Betreuung schicken werden.

Von Seiten der Eltern gab es Vorbehalte gegen die schulautonomen Möglichkeiten: Es wurde befürchtet, dass Geschwister, die in verschiedene Schulen gehen, nun an unterschiedlichen Tagen Unterricht haben. Konnten diese Probleme gelöst werden?

Alle Schulen wurden angehalten, auf Geschwisterkinder so weit wie möglich in der Gruppeneinteilung Rücksicht zu nehmen. Es ist uns bewusst, dass die Abstimmung nicht immer ganz einfach ist. An den sogenannten Hausübungstagen steht aber bei Bedarf Schülerinnen und Schülern weiterhin ein Betreuungsangebot durch Pädagoginnen und Pädagogen an der Schule zur Verfügung.

Verstehen Sie Eltern, die ihre Kinder lieber Zuhause behalten wollen?

Ja, das kann ich nachvollziehen und es gibt auch Möglichkeiten, dies zu tun. Ich möchte aber auch betonen, dass der persönliche Kontakt in diesem Alter sehr wichtig ist und die meisten Kinder und Jugendlichen sich über das Wiedersehen mit ihren Freunden, Klassenkameraden und Lehrern freuen.

Während das Ministerium seinen Lehrern ab 60 grundsätzlich freistellt, ob sie sich zur Risikogruppe zählen oder nicht, müssen die Landeslehrer – wie alle Angestellten – sich dies vom Arzt bestätigen lassen. Warum?

Angehörige von Risikogruppen sollten vom Unterricht freigestellt werden, müssen aber für andere Aufgaben wie etwa Online-Unterricht oder organisatorische Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Eine Bestätigung eines Arztes dürfte für die Betroffenen kein Problem sein. Hier unterscheidet sich die Regelung des Bundes von der Regelung des Landes.

Eine große Herausforderung wird sicher die Benotung dieses „Corona-Semesters“. Welche Maßgaben haben die Pädagogen dafür?

Die Notenvergabe wird ganz nach der Leistungsbeurteilungsverordnung durchgeführt. Das Schuljahr lief bis 13. März ganz normal ab. Jetzt gab es einige Wochen, in denen vor allem die Mitarbeit beurteilt werden kann. Auf jeden Fall wird es erforderlich sein, dass man auch bei der Leistungsbeurteilung die Umstände der letzten Wochen berücksichtigt. Hier ist sicherlich mit Augenmaß vorzugehen.

Wie weit sind die Vorbereitungen für eine „Sommerschule“?

Hier wird noch an einer genauen Umsetzung gefeilt. Die Idee ist, den Schülerinnen und Schülern, die mit dem Distance Learning Schwierigkeiten hatten, die Möglichkeit zu geben, Stoff nachzuholen bzw. zu vertiefen. Dazu sind zwei Wochen Unterricht im Sommer geplant. Es wird von Seiten des Bildungsministeriums daran gearbeitet, aber wie gesagt, es ist noch vieles ungeklärt.

Viele Virologen warnen vor einer Infektionswelle im Herbst. Wird die Schule mit den „Corona-Regeln“ ins Schuljahr starten?

Hier gilt es abzuwarten, wie sich die Infektionszahlen über den Sommer entwickeln. Im Vordergrund der ganzen gesetzten Maßnahmen steht die Gesundheit aller. Somit wird das Ministerium hier sicherlich die richtige Entscheidung treffen. Beim aktuellen Verlauf der Infektionszahlen blicke ich aber optimistisch in den Herbst.

Die Fragen an Bildungsdirektor ALFRED KLAMPFER stellte Herbert Schicho

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