„Bewahren ist allen ein Anliegen“

Roswitha Samhaber vom OÖ. Volksbildungswerk über Traditionen und Trends

Roswitha Samhaber vomOÖ. Volksbildungswerk istseit kurzem Mitglied im Landeskulturbeirat.
Roswitha Samhaber vomOÖ. Volksbildungswerk istseit kurzem Mitglied im Landeskulturbeirat. © Robert Lunak

Heimatforschung, Museumsarbeit, Dorfgestaltung, politische Bildung, Fotografie und vieles mehr. Das Kursprogramm des OÖ. Volksbildungswerkes ist vielfältig. Sammeln, bewahren und vermitteln eine der zentralen Motivationen.

Seit kurzem vertritt Mitarbeiterin Roswitha Samhaber (41) die Interessen des Vereines auch im Landeskulturbeirat.

VOLKSBLATT: Volkskultur in OÖ, das sind 110.000 Menschen in 3500 Vereinen, wie stehen wir österreichweit da?

ROSWITHA SAMHABER: Das Thema Volkskultur boomt nach wie vor. In OÖ sind 25 Verbände im Forum Volkskultur zusammengefasst. Wir sind einer davon und haben über 200 Mitgliedsvereine, da ist das Thema Volkskultur sehr unterschiedlich gefächert. Da sind auch neuere Tendenzen, kleine Aufgaben, größere Vereine. Einer unserer Schwerpunkte ist Heimatforschung, die haben wir auch im Akademieprogramm. Das Bewahren ist allen ein Anliegen, auch jüngeren Generationen. Da ist viel wichtiges regionales Wissen verpackt, mit dem man auch in den Schulen einen Zugang finden sollte. Das ist dort leider kein Thema.

Können Sie uns das Volksbildungswerk ein wenig vorstellen?

Wir sind eine Erwachsenenbildungseinrichtung, eine Plattform für Regionalkultur. Unsere Hauptaufgabe ist die Betreuung der Mitglieder und des Akademieprogrammes. Unsere Angebote sind unparteiisch, überkonfessionell und für jeden offen. Neu ist ein Schwerpunkt Vereinswesen — die Anforderungen an Vereine wachsen. Natürlich verwehren wir uns auch nicht gegen digitale Themen, Computergenealogie ist wichtig, aber der persönliche Austausch ist elementar.

Können Sie bei Ihrer Arbeit Trends feststellen?

Die Heimatforschung bleibt nach wie vor Trend und dabei Ahnen- und Familienforschung. Bei unseren Kursen lernt man verschiedene Einrichtungen kennen, das Stadtarchiv, die Landesbibliothek und das Stifterhaus — und erfährt so, wo man suchen muss und wen man fragen kann. Was mich wirklich freut, ist, dass im Bereich Museumsarbeit die Teilnehmer immer jünger werden. Auch da merkt man, es kommt eine Generation nach, die sich auch für Themen wie Vermittlung interessiert. Oft gibt es ein Museum im Dorf und das muss wiederbelebt werden.

Wie schafft man es im ehrenamtlichen Bereich, die Leute zu halten?

Das Problem ist, dass das Ehrenamt im Kultur- und Bildungsbereich neben dem Ehrenamt im sozialen Bereich oft ein wenig untergeht in der Wahrnehmung und auch in der Fördersituation. Man muss halt aufpassen, dass man die Ehrenamtlichen in dem Bereich nicht frustriert, die leisten so viel. Es ist wichtig, dass die Kultur im Ort funktioniert. Die Leute draußen schätzen das, das ist einfach Lebensqualität. Und das Ehrenamt wandelt sich. Früher war eine Person für etwas zuständig und heute hat man einen Pool an Leuten, die sich das aufteilen.

Hat der aktuelle Hype um Volkskultur eine Verbindung zur echten Volkskultur oder wird das manchmal auch von der falschen Seite vereinnahmt?

Man darf sich Trends nicht verschließen. Wenn ein Traditionalist hergeht und sagt, diese Plastikdirndln, das geht ja gar nicht, dann würde das gleich einmal zum Stillstand kommen. Es ist gut, dass das Thema präsent ist, man muss nur ein wenig aufpassen, wie es auf die Bühne gebracht wird. Uns ist Bewusstseinsbildung wichtig, es gilt, an der Basis zu bleiben und nicht wahllos auf einen Hype aufzuspringen. In der Volkskultur darf es auch um das Langsame und Beständige gehen.

Landeshauptmann Thomas Stelzer hat jetzt einen Sonderfördertopf „Zukunft Volkskultur“ geschaffen, um Projekte von jungen Leuten zu fördern …

Fördertöpfe und Projektförderungen sind wichtig, die Frage ist, wie nachhaltig so etwas ist. Für uns ist eine Basisförderung auch wichtig.

Welche Pläne haben Sie für den Landeskulturbeirat, dessen Mitglied Sie seit kurzem sind?

Uns als Volksbildungswerk ist es wichtig, unsere Themen transportieren zu können und wieder mit zwei Leuten dabei zu sein. Für mich ist das eine Plattform, wo man sich auch mit anderen Kultureinrichtungen austauschen kann.

Was sehen Sie als zentrale Aufgaben des Landeskulturbeirates an?

Die zentrale Aufgabe ist vielleicht, aus der Basis heraus Tendenzen und Themen aufzugreifen und rechtzeitig zu erkennen. Dafür gibt es, glaube ich, ein wirklich gute Mischung in dem Gremium.

Interview: Melanie Wagenhofer

Wie ist Ihre Meinung?