Bewusstsein für Aids schaffen

Weltweit sind 37,9 Mio. Menschen an HIV/Aids erkrankt, mehr als 20 Millionen leben in Ost- und Südafrika. Aber auch in Österreich leben rund 8000 Menschen, die mit HI-Viren infiziert sind. Jährlich kommen etwa 400 Neuerkrankungen hinzu. Durch eine gute Kombinationstherapie wurde die einst tödliche Krankheit mittlerweile zu einer chronischen. Dennoch ist eine frühzeitige Behandlung wichtig.

Heute und morgen wird das Linzer AEC nicht nur in Farbe strahlen, sondern auch die Rote Schleife – Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken – die Fassade entlanglaufen. © Aidshilfe OÖ

Nach Wien mit 202 Neuerkrankungen und der Steiermark mit 50 verzeichnete Oberösterreich im Vorjahr 38 Personen, bei denen HIV/Aids erstmals diagnostiziert wurde. Etwa ein Drittel sind homo- oder bisexuelle Männer zwischen 20 und 35 Jahren.

Meist dauert es jedoch Jahre bis Betroffene von ihrer Erkrankung erfahren, nur 20 Prozent werden wenige Wochen nach der Ansteckung mit dem positiven Befund konfrontiert. Europaweit ist fast jede zweite eine Spätdiagnose. Daher bemüht sich die Aidshilfe rund um den morgigen Welt-Aids-Tag, das Bewusstsein für die mittlerweile durch gute Therapiemöglichkeiten chronische Erkrankung zu erhöhen.

Termine

Am Samstag geht ab 21 Uhr in der Linzer Queer Bar forty nine (Schillerstraße 49), die Red Ribbon Night über die Bühne, bei der es Performances von Lucy McEvil & Thomas Pohl sowie DJ Line mit Mr. Flock gibt. Zwischen 23 und 1 Uhr kann man sich kostenlos und anonym auf HIV testen lassen.
„HIV unter Therapie nicht übertragbar“ lautet der Titel der diesjährigen Fachtagung am Montag, dem 2. Dezember, ab 9.15 Uhr im Neuen Rathaus in Linz. Eintritt frei.
Und für Schulen gibt es zwischen 2. und 20. Dezember im Linzer Moviemento (Buchung: p.mueller@moviemento.at) und im Kino Freistadt (Buchungen: org@kino-freistadt.at) Sonderfilmvorstellungen. Zur Wahl stehen: „Bohemian Rhapsody“, „Dallas Buyers Club“ und „Chucks“.

Vor allem soll daran erinnert werden, dass das Virus noch immer im Umlauf und längst nicht besiegt ist. Neben dem Kondom bei sexuellem Kontakt ist die Therapie die wichtigste Prävention vor weiteren Ansteckungen, da bei einer Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze das Risiko, andere Personen anzustecken nicht mehr gegeben ist.

„Jüngst waren die Fallzahlen der HIV-Infizierung in Österreich wieder leicht im Steigen begriffen“, betont Wolfgang Prammer, Leiter der HIV-Ambulanz am Klinikum Wels-Grieskirchen: „Das liegt daran, dass das Bewusstsein für eine mögliche Ansteckung vor einigen Jahren noch größer war.“

Seinen ersten Patienten hat Prammer 1993 betreut, damals war die Therapie noch schwierig, heute hat er in Wels rund 60 Patienten. „Zu meinen Anfängen war nur ein HIV-Medikament verfügbar und das nur wenig wirksam.“ Mitte der 1990er-Jahre kam der Durchbruch mit einer Kombination aus Medikamenten, die die Infektion kontrollierbar machte.

„Bereits vier bis acht Wochen danach ist die Nachweisgrenze erreicht und das Virus sexuell nicht mehr übertragbar“, weiß der Mediziner. Dennoch sind Patienten verpflichtet, ihren Partnern die Erkrankung bekannt zu geben. Sexuelle Übertragung ist immer noch Ansteckungsweg Nummer eins, an zweiter Stelle liegt der Kontakt mit Blut.

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