Big-Data kann gegen Corona helfen, sorgt aber für ein mulmiges Gefühl

Auswertung anonymer Daten kann wichtige Aufschlüsse über Virus liefern

Die Ankündigung der Bundesregierung bezüglich der Nutzung von Big Data im Kampf gegen das Coronavirus sorgte mancherorts für ein mulmiges Gefühl und Kritik an möglicher Überwachung.

Bundeskanzler Sebastian Kurz denkt dabei aber an die freiwillige Teilnahme an einer App, die das Rote Kreuz anbietet und auch weiterentwickeln will.

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„Stopp Corona“ als App

Um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen, setzt das Rote Kreuz auf die App „Stopp Corona“, die als eine Art Kontakttagebuch via Smartphone gedacht ist und über Verdachtsfälle und bestätigte Infektionen von Personen informiert, mit denen man in den vergangenen 48 Stunden Kontakt hatte.

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Durch „digitales Händeschütteln“ werden Handy-IDs ausgetauscht, wenn eine der Kontaktpersonen Covid-19-Symptome entwickelt oder positiv getestet wurde, wird der Nutzer automatisch benachrichtigt und gebeten, sich selbst zu isolieren. Der Austausch der Daten und die Benachrichtigung erfolge anonym, versichert das Rote Kreuz.

Für den Datenschutzaktivisten Max Schrems ist — wie berichtet — die Nutzung von Handydaten im Kampf gegen Corona durchaus legitim — aber „mit Maß und Ziel“. Dass der Datenschutz zur Bekämpfung der Krise eingeschränkt werden müsste, weist Schrems zurück, weil es bereits Ausnahmebestimmungen gebe.

ELGA für die Forschung

Bei der Debatte um Datenanalysen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ging es bisher vor allem um die Auswertung von Mobilfunkdaten zur Analyse der Bewegungsströme der Österreicher. Nun verweist der Sprecher der Patientenanwälte Gerald Bachinger auf eine weitere Möglichkeit: So könnten Informationen über an Covid-19 erkrankte Personen aus verschiedenen staatlichen Datenbanken verknüpft werden, um die Auswirkung bestimmter Medikamente auf die Krankheit zu überprüfen.

Österreich könnte hier Daten liefern, die in anderen Ländern noch nicht vorhanden seien, so Bachinger. Dies deshalb, weil hierzulande nicht nur die mit dem Coronavirus infizierten Personen in einer staatlichen Datenbank erfasst werden (dem „Epidemologischen Meldesystem“ EMS), sondern zusätzlich auch die von den meisten Österreichern eingenommenen Medikamente — dokumentiert in der „e-Medikation“.

„Pseudonymisierte“ Daten

Bachinger will nun die ELGA-Daten mit jenen des Epidemologischen Meldesystems und der Heilmittelabrechnung (HEMA) der Sozialversicherung verknüpfen und der Forschung zur Verfügung zu stellen. Die Identität der Erkrankten soll dabei „pseudonymisiert“ werden.

Laut einer Sprecherin im Gesundheitsministerium werden mehrere Varianten für die Öffnung staatlicher Gesundheitsdatenbanken für die Corona-Erforschung geprüft.

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