Billa Urheber von umstrittener „Nicht gebraucht“-Kampagne

Hinter jener Plakatkampagne, die zuletzt für Aufsehen und Kritik vor allem von Behindertenverbänden gesorgt hat, steht der Lebensmittelkonzern Billa. Das Unternehmen outete sich via Twitter als Urheber. Man habe mit der Teaser-Kampagne bewusst Vorurteile thematisiert, die „ungerecht, diskriminierend sind und wütend machen“, hieß es.

„Durch diese Irritation lenken wir bewusst auf die aktuelle Arbeitsplatzsituation von Menschen mit Behinderungen“, betonte der Konzern. Noch immer sei es so, dass diese Personengruppe, genauso wie ältere Personen und Jugendliche, am meisten von Arbeitslosigkeit und tagtäglichen Vorurteilen betroffen seien. „Dagegen gilt es aufzutreten“, wurde bekräftigt. Für Billa seien Alter, fehlende Matura oder Behinderung kein Hinderungsgrund bei der Aufnahme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Plakate, die in einigen Städten – unter anderem in Haltestellenhäuschen in Wien – affichiert waren, sorgten für teils erboste Reaktionen. Slogans wie „Mit einer Behinderung wirst du NICHT gebraucht“ waren da etwa zu lesen. Dies hatte auch Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) kritisiert. Er stelle sich mit aller Deutlichkeit gegen diese diskriminierende, verletzende und potenziell re-traumatisierende Werbung, betonte er.

Behindertenorganisationen hatten sich bereits am Montag an die Öffentlichkeit gewandt. So sprach etwa das Beratungszentrum „Bizeps“ von einer „kalkuliert widerlichen Provokation“. Bizeps-Vertreter Martin Ladstätter warnte: „Das, was Menschen ohnehin schon denken, wird bestätigt und brennt sich durch täglichen Sichtkontakt weiter ein. Keine Wendung kann so stark sein, um diese Aussagen zu neutralisieren.“ Bizeps hat unter anderem Beschwerde beim Österreichischen Werberat eingebracht.

Wie Ladstätter der APA am Mittwoch mitteilte, hat sich Billa nun mit einem Schreiben an Bizeps gewandt. „Wir möchten uns ausdrücklich bei allen entschuldigen, die diese Kampagne als diffamierend wahrgenommen haben“, heißt es darin. Das sei jedoch keine Entschuldigung, hob der Bizeps-Vertreter hervor: „Leider haben es die Verantwortlichen bei Billa bisher noch immer nicht verstanden. Ihre diskriminierende Kampagne auf Kosten verschiedener Gruppen von Menschen – darunter auch Menschen mit Behinderungen – musste aufgrund der heftigen medialen Reaktionen sofort gestoppt werden.“

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Man erwarte von der Geschäftsführung des Unternehmens eine „ordentliche, öffentlich wahrnehmbare Entschuldigung“ und das Eingeständnis, dass hier schwere Fehler gemacht worden seien: „Für einen Werbegag und eine Imagekampagne die Menschenwürde verschiedener Gruppen zu attackieren, sollte für ein verantwortungsvoll handelndes Unternehmen ein No-Go sein.“

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