Billigere Energie drückte Inflation in Deutschland

Billigere Energie drückt die deutsche Inflation in der Coronakrise auf den tiefsten Stand seit fast vier Jahren. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai nur noch um 0,6 Prozent zum Vorjahresmonat nach 0,9 Prozent im April, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte und eine Schätzung von Ende Mai bestätigte. Damit fiel die Teuerungsrate auf den niedrigsten Wert seit September 2016.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht einen Wert von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur an, verfehlt dieses Ziel aber für den Euroraum seit Jahren.

Der weltweite Konjunktureinbruch infolge der Coronapandemie hat den Ölpreis in den vergangenen Wochen kräftig gedrückt. Dadurch verbilligte sich Energie binnen Jahresfrist um 8,5 Prozent, wobei vor allem Kraftstoffe (minus 20,7 Prozent) und Heizöl (minus 30,5 Prozent) günstiger zu haben waren. Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse verteuerten sich hingegen erneut weit überdurchschnittlich um 4,5 Prozent. Teurer wurden vor allem Obst (plus 10,5 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (9,2 Prozent), billiger hingegen Speisefette und Speiseöle (minus 4,5 Prozent). Dienstleistungen kosteten um 1,3 Prozent mehr, wobei die Wohnungsmieten um 1,4 Prozent anzogen.

Experten gehen davon aus, dass der Preisdruck angesichts der Coronarezession schwach bleiben wird. Die ab 1. Juli geplante Senkung der Mehrwertsteuer kann die Inflation sogar deutlich drücken. Bei vollständiger Weitergabe an die Kunden könne dies „rein rechnerisch“ einen Rückgang der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent verursachen, hatte das Statistikamt am Montag erklärt. Damit würde die Teuerungsrate deutlich ins Minus rutschen.

Die deutsche Regierung hatte vorige Woche beschlossen, zur Stärkung der Binnennachfrage in der Coronakrise die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von 7 auf 5 Prozent zu senken.

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