Bitte noch einen Scotch

Krimi-Groteske „Mord auf Schloss Haversham“ im Kulturhof Perg

Überdrehte Komödie, überdrehtes Ensemble
Überdrehte Komödie, überdrehtes Ensemble © Reinhard Winkler

Von Christian Pichler

Charlie verpasst seinen Auftritt, donnert im Dunkeln gegen einen Pfosten. Charlie spielt die Leiche, der von jedem Schauspieltalent befreite Cecil spricht hohl denkwürdige Worte: „Mein Bruder tot, das kann nicht sein!“ Mordete die ruchlose Florence? Wollte der schwer durchschaubare Thomas seine Schwester vor einer unglücklichen Ehe bewahren?

Ein Ambiente wie in Agatha Christies „Die Mausefalle“, hier spielt „Mord auf Schloss Haversham“. Die überdrehte Komödie von Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields in Perg dargeboten von einem Theater, das karge Zeiten erlebt hat, das Musical „Cat“ (!) der Tiefpunkt. Jetzt hat Direktor Björn Büchner tolle Bühne, tolles Personal, selbst spielt er den Inspektor. Hoher Enthusiasmus, heftiger Aufprall, Premiere war am Donnerstag im Kulturhof.

Ganze Textpassagen verrutschen, eine widerspenstige Tür knallt gerne gegen laszive Frauen. Eine Szene wird endlos wiederholt („Inspektor, noch ein Scotch“), bis dem Butler endlich der Text einfällt.

Blutigster Dilettant der Truppe ist Martin Dreiling, der als Sohn des Obmanns die Rolle des Cecil ergatterte. Herzzerreißend, wenn er ins Publikum strahlt im Irrglauben, dass eine Szene geglückt sei. Nadine Breitfuß seine Liebhaberin Florence, eine Femme fatale. Comichaft überzeichnet.

Julia Ribbeck springt für die ohnmächtige Florence ein und meistert in ihrer zweiten Regiearbeit in Perg die schwierigste Kunst der Komödie bravourös. Ribbeck schleift ihre professionellen Mimen durch die knusprige Vorhölle des Absturzes, mit Lust spielt das Ensemble gegen die Regeln eines ordentlichen Theaters an. Kräftig unterstützt von der Technik, die brav Lichteffekte vermasselt und Leichenfunde mit „Stayin’ Alive“ begleitet.

Allenfalls im zweiten Teil nützen sich Slapstick und britischer Humor langsam ab. Irgendwann kann nur noch die Bühne zusammenkrachen, was sie auch tut. Jan Hax Halama hat die fehlerhafte Kulisse gestaltet, die Requisiten teuflisch angeordnet. Eine Vase ist ein Notizbuch, der Scotch Brennspiritus, der unsichtbare Aufzug ein lärmendes Monster.

Exzellent getaktetes, verrücktes Scheitern

Peter Woy gibt eine listige Leiche, die erst nicht stillliegen will und mit vorgehaltenem Jagdgewehr den Running Gag des Abends verantwortet.

Peter Malzer ein verdächtiger und textunsicherer Butler, der schwierige Wörter auf die Handinnenfläche gekritzelt hat. Thomas Bammer ein forscher Thomas, auf der schiefen Ebene des kollabierenden Theaters zappelnd.

Heftiger Beifall und Jubel für exzellent getaktetes, wunderbar verrücktes Scheitern.
Bis 14. 8., Tel. 0677/616 00 890

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