“Blaues Auge” für ÖSV-Damen bei bitterer Sölden-Pleite

“Enttäuscht” hat Christian Mitter Sölden verlassen. Platz 15 durch Katharina Truppe als “bestes” Ergebnis war gleichbedeutend mit dem schlechtesten Sölden-Abschneiden der ÖSV-Damen in der Geschichte. Trotz allem sah der Rennsportleiter auch genug Positives um zu meinen, mit einem “blauen Auge” davongekommen zu sein. Geradezu verblüfft war der Damenchef darüber, dass sich keine der fünf für das Finale qualifizierten ÖSV-Damen dort verbesserte.

Truppe fiel von 11 auf 15, Stephanie Brunner von 9 auf 17, Franziska Gritsch von 16 auf 24 zurück. Katharina Liensberger (23.) schied überhaupt aus. Nur Ramona Siebenhofer “verteidigte” Halbzeit-Rang 19. “Dass wir es nach dem ersten Durchgang nicht mehr gewinnen, war klar. Aber wir wollten nochmals Gas geben, uns verbessern, als Führende ins Ziel kommen”, erklärte Mitter. “Dass das gleich bei allen Fünf danebengegangen ist, habe ich noch nie erlebt und tut ein bissl weh. Normalerweise kommen zwei, drei sicher nach vorne.”

“Fehleinschätzungen” machte der Coach hauptverantwortlich für das magere Abschneiden beim Weltcup-Opening. Während Italiens Damen mit Marta Bassino vor Federica Brignone ein weiterer Doppelsieg gelang, lieferten die ÖSV-Damen erstmals ohne Top-Ten-Ergebnis das historisch schlechteste Sölden-Ergebnis ab. Und das in einem Rennen, in dem mit der verletzten US-Olympiasiegerin Mikaela Shffrin und der zurückgetretenen Viktoria Rebensburg zwei der Besten fehlten und selbst “Snowboarderin” Ester Ledecka im erst zweiten Weltcup-RTL erstmals punktete.

“Wir stehen also wieder am Anfang”, bedauerte Mitter. “Ich hätte schon gehofft, dass es einen Schritt nach vorne geht. Bei Petra Vlhova (von 10 auf 3; Anm.) hat es ja auch geklappt”. Seine Damen seien im ersten Durchgang “viel zu verhalten”, im zweiten “viel zu gerade” gefahren. “Die taktische Einstellung stimmt noch nicht ganz”, sagte Mitter. Vor allem sei der Steilhang falsch eingeschätzt worden. “Das ist nach einigen Jahren Weltcup doch etwas unerklärlich.”

Teilbestzeiten wie bei Truppe würden aber Hoffnung machen, auf dem richtigen Weg zu sein. Mitter: “Dass wir an einem Tag, an dem so viele Sachen nicht funktioniert haben, mit einem blauen Auge davongekommen sind, stimmt mich auch guten Mutes.”

Siebenhofer erklärte ihre “Fehleinschätzung” selbst: “Ich bin im zweiten zu sauber, zu schön gefahren. Leider gibt’s bei uns aber keine Haltungsnoten. Hier musst du eine wilde Henne sein”, sagte die Steirerin. “Da bin ich ja mit dem Fehler im ersten noch besser da gestanden.”

Lokalmatadorin Gritsch sah es ähnlich. “Wenn du vorne sein willst, musst du riskieren. Da passieren Fehler. Ich habe mir nichts vorzuwerfen und bin ja eigentlich gut drauf. Deshalb tut das bei einem Heimrennen schon weh.” Truppe war nur für sich selbst zufrieden: “Ich war ja im Riesen schon lange nicht Top-15, dabei war der zweite Lauf ein Murks.” Trotzdem beste Österreicherin zu sein, fühle sich seltsam an. “Das will man eigentlich gar nicht hören. Schade. Die Stephi hätte die Top Ten drauf gehabt.”

Angesprochen war die Langzeitverletzte Stephanie Brunner. “Nach 21 Monaten brauche ich mir nicht viel erwarten, darf nicht zu hart mit mir sein”, gab sich die Tirolerin aber gelassen. “Das Skifahren habe ich jedenfalls nicht verlernt. Es war ja erst mein zweiter Tag im Steilhang und ich weiß eh selbst, dass es besser geht.” Bei ihr habe die “Fehleinschätzung” daraus bestanden, “dass der zweite Lauf viel drehender war, als wir besichtigt haben. Es war dann eine ziemliche Rauferei.”

Dass Italiens Damen etwas anders, nämlich besser gemacht hätten in der Vergangenheit, liegt auch für Mitter auf der Hand. “Italien war immer schon eine Riesentorlauf-Nation, auch bei den Herren. Im Slalom haben sie aber die gleichen Probleme wie wir im Riesen.” Sein Rezept, um die ÖSV-Damen besser zu machen? “Üben, üben, üben!”

Dem kann auch Truppe etwas abgewinnen. “Wir wissen nun, wo wir stehen. Jetzt haben wir zwei Monate Zeit, um die Probleme auszumerzen.” Auch Brunner gab sich zuversichtlich. “Das wird schon wieder, wenn der Rennrhythmus wieder da ist.” Der kommt freilich frühestens im Dezember, denn Levi lässt die Tuxerin ebenso aus wie davor den Parallel-Bewerb in Zürs. “Zu riskant.”

Weiter geht das Skifahrerleben aber natürlich auch für die ÖSV-Damen mit Corona. “An die Maske gewöhnt man sich eh schnell”, befand Siebenhofer. “Aber die soziale Abschottung ist für einen geselligen Menschen wie mich nicht einfach. Das taugt nur jemand, der gerne allein ist. Das bin ich definitiv nicht.”

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