Bluthochdruck ab 140/90 mm Hg

Die Europäer setzen auf neue Leitlinien zur Behandlung von Bluthochdruck. Diagnostiziert wird die Hypertonie ab 140/90 mm Hg, intensiviert sollen aber die Behandlungsziele auf 130/80 oder darunter werden. Neben Prävention und Früherkennung soll die Therapie einfacher werden.

103

Nach den Amerikanern haben jetzt auch die Europäer neue europäische Leitlinien für die Behandlung von Bluthochdruck. Die Empfehlung der „European Society of Cardiology (ESC)“ und der „European Society of Hypertension (ESH)“ hält an der Definition von Bluthochdruck ab Werten von 140/90 mm Hg fest, intensiviert aber die Behandlungsziele auf meist 130/80 oder darunter, setzt verstärkt auf Prävention und Früherkennung sowie auf eine vereinfachte medikamentöse Therapie durch eine Wirkstoffkombination in nur einer Tablette.

„Die Definition der Hypertonie bleibt in Europa gleich, das heißt, Bluthochdruck wird weiterhin erst ab 140 zu 90 diagnostiziert“, erklärt Thomas Weber, Kardiologe am Klinikum Wels-Grieskirchen, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie und Initiator des Projekts „Kennen Sie Ihr Gefäßalter?“. „Wie in den USA wird aber auch in Europa ein stärkerer Schwerpunkt auf 24-Stunden-Blutdruckmessung und Blutdruckselbstmessung gelegt – was wir in Österreich schon seit vielen Jahren empfehlen.“

Ab wann ist eine Therapie notwendig?

Die neue Leitlinie sieht vor, bei der Mehrzahl der Patienten erst ab einem Blutdruck von 140 zu 90 eine Therapie einzuleiten. „Generell gilt aber: Bluthochdruck ist ein komplexes Krankheitsbild und die moderne Therapie muss auf den Patienten abgestimmt erfolgen – die Leitlinien setzen dafür nur einen groben Rahmen“, sagt Weber: „Ob eine medikamentöse Blutdrucksenkung eingeleitet werden soll, hängt vom individuellen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab: Bei sehr hohem Risiko, insbesondere bei Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung, eventuell schon ab Werten von 130 zu 85, ansonsten generell ab 140/90 mm Hg, bei über 80-Jährigen erst ab 160 mm Hg systolisch“, erläutert der Welser Blutdruckexperte.

„Primäres Ziel muss sein, alle Hypertoniker erfolgreich in den Normalbereich zu bringen. Doch derzeit wird die Hälfte der Betroffenen nicht oder nicht erfolgreich behandelt“, betont Weber. Die Gründe liegen u. a. in einer mangelnden Therapietreue der Patienten und in einer immer noch bestehenden Dunkelziffer. „Es ist erwiesen, dass die Compliance nachlässt, je mehr unterschiedliche Präparate Patienten einnehmen müssen. Bei der medikamentösen Behandlung wird für die meisten Patienten jetzt von Anfang an eine Kombination verschiedener Wirkstoffe, aber in nur einer Tablette, empfohlen.“
Neben einer medikamentösen Therapie lässt sich Bluthochdruck durch Lebensstilmaßnahmen positiv beeinflussen. Der Konsum von Kochsalz sollte auf fünf Gramm pro Tag reduziert werden, Männer sollten nicht mehr als sieben Halbe Bier oder sieben Viertel Wein pro Woche trinken, Frauen nur die Hälfte, rät Weber. Übergewicht und Nikotin vermeiden. Mehr Obst, Gemüse, Nüsse und Olivenöl konsumieren, sowie fettarme Milchprodukte, statt rotem Fleisch. Um den Blutdruck in Schach zu halten, empfiehlt der Kardiologe zudem regelmäßig Sport. „Mindestens 30 Minuten zumindest mäßige Anstrengung an fünf bis sieben Tagen pro Woche.