Börsen im Bann des Virus: Können Notenbanken den Abwärtssog stoppen?

Notenbanken rund um den Globus stemmen sich mit allen Mitteln gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise.

An den Aktienmärkten scheinen Zinssenkungen und milliardenschwere Anleihenkäufe wirkungslos zu verpuffen. Dennoch sind die Maßnahmen wichtig.

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Wie wirkt sich das Coronavirus auf Wirtschaft und Börsen aus?

Messen und Veranstaltungen werden abgesagt, Reisen storniert, Grenzen geschlossen. Die Nachfrage aus dem Ausland sinkt und internationale Lieferketten werden gestört, was sich auf die Produktion in Deutschland auswirkt. Einer Umfrage des Ifo-Instituts unter knapp 3.400 Firmen zufolge spüren bereits mehr als die Hälfte (56,2 Prozent) negative Auswirkungen. „In einigen Branchen sind die innerhalb weniger Wochen erfolgten Einbrüche existenzgefährdend“, sagte jüngst der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass Deutschland heuer in eine Rezession rutschen wird. Auch in anderen Industrieländern wächst die Sorge vor einem Konjunkturabsturz.

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Die Börsen befinden sich seit Wochen im Ausnahmezustand. Zum Start in die neue Woche stürzte der deutsche Leitindex DAX am Montag zum Handelsauftakt unter die Marke von 9.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit Februar 2016. Allein in der vergangenen Woche büßte das wichtigste deutsche Börsenbarometer rund 20 Prozent ein.

Was tun die Notenbanken gegen die Krise?

Zinssenkungen, Anleihenkäufe, Notkredite – die Zentralbanken ziehen alle Register. Und die Notenbanken demonstrieren zugleich, dass sie gemeinsam gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise kämpfen: Am späten Sonntagabend versicherten sechs führende Zentralbanken, dass sie über vergünstigte Bedingungen die Versorgung des Finanzsystems mit der für viele Geschäfte wichtigen Reservewährung US-Dollar sicherstellen. Beteiligt an der konzertierten Aktion sind die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BoE), die Bank of Japan (BoJ), die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Bank of Canada. Solche abgestimmten Aktionen führender Notenbanken gab es zum Beispiel auch nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 und in der Finanzkrise 2008.

Wie sehr wurde an der Zinsschraube gedreht?

Die US-Notenbank Fed senkte ihren Leitzins in zwei Notfallaktionen binnen zwei Wochen von einer Spanne von 1,50 Prozent bis 1,75 Prozent um 1,5 Punkte auf fast 0 Prozent. Zudem will die Federal Reserve die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar (630 Mrd. Euro) schweren Anleihekaufprogramm ankurbeln und Banken vorübergehend Notkredite gewähren. Die EZB hat bei den Zinsen eigentlich keinen Spielraum, denn der Leitzins im Euroraum liegt seit nunmehr vier Jahren auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent – und auf diesem Niveau beließen ihn Europas Währungshüter auch. Stattdessen pumpt die EZB 120 Mrd. Euro zusätzlich in Anleihenkäufe und will Banken mit günstigen Krediten dazu bringen, mehr Geld vor allem an kleine und mittlere Firmen zu verleihen, um so die Wirtschaft zu stützen. Auch Japans Notenbank setzt auf mehr Anleihenkäufe und günstige Kredite.

Welche Rolle spielt das Bankensystem?

Anders als in der Finanzkrise sehen sich Banken dieses Mal als Teil der Lösung. Im Herbst 2008 hatte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers das eng vernetzte weltweite Finanzsystem erschüttert. Geldhäuser trauten sich gegenseitig nicht mehr über den Weg und liehen sich kein Geld mehr, Kreditströme drohten auszutrocknen. „Die Krise von 2008 hatte ihren Ursprung im Finanzsystem, unter anderem weil Banken ihre Risiken nicht mehr unter Kontrolle hatten, und griff von dort auf die Gesamtwirtschaft über. Diesmal ist es umgekehrt, und wir können Teil der Lösung sein“, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nun gehe es darum, auch mit Hilfe staatlicher Programme die Liquidität der Kunden zu sichern. Die EZB-Bankenaufsicht erlaubt Geldhäusern vorübergehend, die Vorgaben für Kapital- und Liquiditätspuffer zu unterschreiten, damit diese ihren Auftrag als Kreditgeber leichter erfüllen können.

Wie wirksam ist die Medizin der Zentralbanken?

Bisher hilft sie nur in Maßen, die Krisenstimmung an den Börsen hält an. „Jetzt heißt es, sich der Realität klar zu werden, dass Geldpolitik keine Grippe heilt“, argumentiert Christoph Kutt von der DZ Bank. „Sie kann nur helfen, den Schlag der Corona-Pandemie abzuschwächen und die Fiskalpolitik sowie Unternehmen über den Bankensektor stützen.“ Die Währungshüter selbst wissen um die Begrenztheit ihres Einflusses: Sie strebe kein „Whatever it takes 2.0“ an, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag. Ihr Vorgänger Mario Draghi hatte im Sommer 2012 mit wenigen Worten die Eurozone in ihrer bis dato tiefsten Krise stabilisiert: „Die EZB wird alles tun, um den Euro zu retten“ („Whatever it takes“). Lagarde betonte, aktuell seien in vorderster Linie die Staaten in der Pflicht. Und auch für Italien, das in Europa bisher am stärksten von dem Virus betroffen ist, hatte Lagarde eine enttäuschende Botschaft: „Wir sind nicht hier, um die Spreads zu schließen“, sagte sie mit Blick auf die Risikoaufschläge, die Staaten zahlen müssen, damit Investoren ihnen Anleihen abkaufen.

Welche Hilfspakete hat die Politik bis jetzt geschnürt?

Am Freitag schaltete Deutschland auf „Whatever it takes“ – auf diesen Nenner brachte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer das gewaltige Hilfspaket der deutschen Regierung. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigten unbegrenzte Kreditprogramme für betroffene Firmen an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Regierung sei gewillt, „alles zu tun, was notwendig ist, alles zu tun, was Deutschland braucht, damit wir durch diese Krise möglichst gut hindurchkommen.“ Scholz betonte, es werde „nicht gekleckert, es wird geklotzt“.

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