Meinung

von Manfred Maurer

Böse Kapitalisten

Kommentar zum „Übergewinn“.

Der Begriff hat das Potenzial fürs Unwort des Jahres: Übergewinn. Er ist in aller Munde, aber was er genau bedeutet, weiß niemand. Nur ungefähr geht es um Gewinne, die Unternehmen infolge der politisch-ökonomischen Multikrise machen.

Aber wer definiert, ab welchem Betrag Gewinn als Übergewinn zu werten ist? Wer entscheidet, in welcher Branche inflationsbedingte Gewinnsprünge als übermäßig zu gelten haben und wo nicht? Und wer zahlt Ausgleich für in Krisenzeiten ja auch möglichen Untergewinn (dessen Definition natürlich ebenso herausfordernd wäre)?

Geht’s nicht viel einfacher? Im Energiesektor etwa nascht die öffentliche Hand als (Mit-)Eigentümer ohnehin kräftig mit. Sie hat zudem maßgeblichen, im Fall des Verbundes sogar entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Gewinnausschüttung. Sonderdividende beschließen (wie beim Verbund schon geschehen) — und schon sind Übergewinne abgeschöpft.

Diese saubere Lösung passt jedoch jenen nicht in den ideologischen Kram, die Gewinn per se für anrüchig halten. Denn anders als bei einer ausschließlich den Staat zufließenden Sondersteuer profitieren von Sonderdividenden alle Aktionäre. Darunter können auch böse Kapitalisten sein. Zum Beispiel Pensionisten, die oft gar nicht wissen, dass sie via Pensionsfonds Miteigentümer eines der jetzt verteufelten Energiekonzerne sind.

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