Bolsonaro beendet vermutlich Wahlkampf

Brasiliens führender ultrarechter Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro wird nach einem Messerangriff seine Wahlkampagne vor dem ersten Urnengang am 7. Oktober voraussichtlich nicht fortsetzen können. Dies gab sein Sohn Flavio Bolsonaro in einem auf Facebook veröffentlichten Video am Freitag bekannt und erklärte dies mit dem Schweregrad seiner Verletzungen.

Sein Vater sei in einer kritischen Situation und habe Schwierigkeiten zu sprechen, sagte er. Der 63-Jährige sei vermutlich nicht in der Lage, die Kampagne weiterzuführen. „Er kann nicht auf die Straße gehen, aber wir können es tun“, fügte Flavio Bolsonaro hinzu.

bezahlte Anzeige

Bolsonaro befindet sich nach dem Messerangriff aber auf dem Weg der Besserung. Der Abgeordnete habe mit seiner Physiotherapie begonnen, teilten die behandelnden Ärzte und Familienmitglieder am Samstag mit. Sein Zustand sei stabil.

Bolsonaro war am Donnerstag während einer Wahlkampfveranstaltung im südlichen Staat Minas Gerais auf offener Straße mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden. Der rechtsextreme Kandidat verlor dabei viel Blut und wurde notoperiert.

Den mutmaßlichen Angreifer nahm die Polizei noch am Ort des Anschlags fest. Der 40-Jährige habe ohne Tötungsabsicht aus „religiösen Gründen mit politischem Hintergrund“ gehandelt, wurde der Anwalt des Festgenommenen in den Medien zitiert.

Der Ex-Soldat Bolsonaro zählt zum rechtsextremen Lager in Brasilien. Er hat die brasilianische Militärdiktatur offen gelobt und in der Vergangenheit gesagt, sie hätte mehr Menschen töten sollen. Ihm steht ein Prozess vor dem Obersten Gerichtshof bevor. Ermittler werfen ihm vor, zu Hass und Vergewaltigung aufgerufen zu haben. Er weist dies als politisch motiviert zurück.

Bolsonaro ist auch dafür bekannt, dass er gegen Homosexuelle und Schwarze hetzt. Immer wieder schockiert er mit rassistischen, frauenfeindlichen und homophoben Entgleisungen. Der „Trump Brasiliens“ mischt zwar schon lange im Politikbetrieb mit, präsentierte sich neuerdings aber als Anti-System-Kandidat. Im Falle eines Wahlsiegs wollte er Ministerposten mit Militärs besetzen und angesichts der eskalierenden Kriminalität die Bevölkerung bewaffnen.

Die erste Runde am 7. Oktober dürfte Bolsonaro neuesten Erhebungen zufolge gewinnen. Bei einer Stichwahl dürfte er aber unterliegen. Der inhaftierte Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva darf bei der Wahl für das höchste Staatsamt nicht antreten. Das oberste Wahlgericht schloss ihn wegen seiner Verurteilung wegen Korruption aus und lehnte auch seine letzte Beschwerde am Donnerstag ab.

Keine Wahl seit der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie vor 30 Jahren war so schwer einzuschätzen wie diese. Zahlreiche Politiker und Geschäftsmänner stehen unter Korruptionsverdacht, viele von ihnen mussten deshalb ins Gefängnis. Das hat das Vertrauen der Wähler erschüttert.