Bolsonaro stoppt Hilfe für Indigene und Afrobrasilianer

Kein Kurswechsel trotz Corona-Diagnose: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat als erste Amtshandlung nach seinem positiven Corona-Test sein Veto gegen ein Hilfspaket für Indigene und Afrobrasilianer während der Pandemie eingelegt. Das Gesetz hätte die Behörden verpflichtet, Ureinwohnern und Schwarzen Zugang zu Trinkwasser, Desinfektionsmitteln und ärztlicher Versorgung zu garantieren.

Ein Richter am Obersten Gerichtshof verpflichtete die Regierung daraufhin zu einer Reihe von Maßnahmen zum Schutz der indigenen Bevölkerung. So sollen ein Krisenkomitee eingerichtet, ein Pandemieplan zum Schutz der Ureinwohner ausgearbeitet und der Zugang der Indigenen zum Gesundheitswesen garantiert werden, ordnete Luís Roberto Barroso am Mittwoch an. Indigenen-Verbände hatten zuvor erklärt, dass bereits mehr als 10.000 Ureinwohner mit dem Coronavirus infiziert seien und die Sterblichkeit in dieser Gruppe fast doppelt so hoch sei wie im Rest der Bevölkerung.

Wie die österreichische Brasilien-Expertin Ursula Prutsch von der Universität München der APA mitteilte, habe der Präsident sein Veto gegen “Indigene, indigene Dörfer und Quilombolas” eingelegt. “Die Quilombolas sind Nachfahren ehemaliger Sklaven, die entflohen waren und Land besetzt hatten. In Brasilien gibt es etwa 200 solcher Quilombolas, das sind Mini-Gemeinden, deren Landrechte durch die Verfassung geschützt sind. Freilich sind die Nachfahren Afro-Brasilianer. Doch das ist eine marginale Gruppe. Quilombolas gelten als eigene Ethnie.”

Der 65-jährige Bolsonaro verwies unterdessen in einem Tweet auf seine Einnahme des Medikaments Hydroxychloroquin – für dessen Wirksamkeit es aber kaum wissenschaftliche Belege gibt. “An die gerichtet, die gegen Hydroxychloroquin sind, aber keine Alternativen anbieten, ich muss leider sagen, dass es mir damit sehr gut geht und dass ich Gott sei dank noch viel länger leben werde”, so Bolsonaro.

Die Zahl der Corona-Toten im größten Land Lateinamerikas stieg indes binnen 24 Stunden um 1.254 – das ist einer der höchsten Werte der vergangenen Wochen. Brasilien ist neben den USA derzeit einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie.

Wegen seines laxen Umgangs mit der Pandemie steht Bolsonaro schon seit langem in der Kritik. Er bezeichnete die Lungenkrankheit Covid-19 immer wieder als “leichte Grippe” und stemmte sich gegen Schutzmaßnahmen. Er zeigte er sich häufig ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit, löste Massenaufläufe aus und machte Selfies mit Anhängern.

Seine eigene Erkrankung könnte ihm politisch jetzt sogar nützen. Nimmt sie bei ihm einen leichten Verlauf, dürfte er sich als lebender Beweis inszenieren, dass das Virus nicht besonders gefährlich sei. Erwischt es ihn doch heftiger, kann er zumindest auf Solidarität und Mitgefühl setzen.

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