Bombenerfolg der bitter-süßen Rache

Linzer „Fledermaus“ im vollen Brucknerhaus hat voll eingeschlagen

Dietmar Kerschbaum und Nikola Hillebrand
Dietmar Kerschbaum und Nikola Hillebrand © R. Winkler

Von Georgina Szeless

Intendant Dietmar Kerschbaum hat sich einen Traum erfüllt: Als jüngster Sänger an der Wiener Volksoper hat er vor Jahren seine Paraderolle als Eisenstein entdeckt und diesen nun in der Linzer Silvester-„Fledermaus“ mit einem Bombenerfolg im vollen Brucknerhaus verkörpert. Wenn der Chef höchstpersönlich auf der Bühne seines Hauses steht, dann muss es die noch so aus Tradition überstrapazierte beste klassische Johann Strauß-Operette „Fledermaus“ aus 1874, deren Flügel niemals zu erlahmen scheinen, sein.

Leider nur in konzertanter Version, ist zu bedauern. Bei der szenischen (K)Einrichtung hatte Susanne Sommer nicht viele Möglichkeiten für ihre Einfälle. Bei der Besetzung zeigte der Hausherr Fachkenntnis bei der Auswahl. Dass Kerschbaum auch ein Schauspieler mit Leib und Seele ist, war nicht unbekannt und doch fast überraschend.

Böck verzichtete nicht auf die Kalauer

So hatte also Linz seine „Fledermaus“-Silvesterproduktion, die Vergleichen anderswo standhielt und kein Konkurrenzunternehmen zu scheuen brauchte. Der dramaturgische Aufbau des ausgezeichneten Librettos (Carl Haffner, Richard Genée) bei der dreigeteilten Handlung bestimmt schon von allein die Begeisterung für das Werk, und das Übrige besorgt der Champagner, „der an allem schuld ist“.

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Wieso, worum geht es in der Operette, die den Ansprüchen nach eigentlich zur Kategorie der Oper gehört? Eisenstein hat beim Fasching seinen als Fledermaus kostümierten Freund Dr. Falke dem Spott der Gassenjungen ausgesetzt. Dr. Falke rächt sich dafür. Eisenstein muss wegen Beamtenbeleidigung in den Arrest.

Seiner Kammerzofe Adele schreibt Falke, getarnt als Adeles Schwester Ida, einen Einladungsbrief zu einem Ballfest beim Prinzen Orlofsky, und damit beginnt eigentlich die ganze Komödie. Komik pur, Spiellust, Alkohollaune und Katerstimmung waren angesagt und reichlich vorhanden: bei Kerschbaums Eisenstein mit baritonaler Tenorstimme, Renate Pitscheider als Gattin (auch wirkliche) Rosalinde und Nikola Hillebrand als Adele, beide neidlos zuzugeben die Stars des Abends, Michaela Selinger als Orlofsky mit jener Morbidität, die nur die Besetzung der Hosenrolle mit einer Frauenstimme garantiert, Andreas Mattersberger als Gefängnisdirektor Frank, Martin Piskorski als Alfred, Mathias Hausmann als Falke, Ernst Dieter Suttheimer als Dr. Blind und Martha Matscheko als Ida.

Für den Frosch-Akt hat Franzobel den Urtext adaptiert, aber zum Glück behielt sich der bühnenbeherrschende Schauspieler und Komiker Wolfgang Böck vor, auf so manche Kalauer daraus nicht zu verzichten.

Das Johann Strauß Ensemble unter der Leitung des britischen Dirigenten Alexander Joel ließ in seinem Element für die geniale Musik aus Walzer, Polka und Csárdás nichts davon spüren, dass es in diesen Tagen besonders gefordert wurde. Der Philharmonia Chor Wien (Walter Zeh) fühlte sich in seiner Aufgabe ganz zu Hause. Und das Publikum total animiert für eine zündende Silvesterfeier.

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