Bond, Cruise & Alkohol: Das mutmaßliche Kinojahr 2021

Was die Filmstudios so alles im Talon haben für ein Jahr, bei dem nach wie vor alles unsicher scheint

DER RAUSCH:

Bei den Europäischen Filmpreisen im Dezember in Berlin war Thomas Vinterbergs Alkoholapologie „Der Rausch“ der große Abräumer. Ob die Midlife-Krisen-Parabel um eine Freundesgruppe, die den Versuch startet, stets auf einem gewissen Alkohollevel zu bleiben, um die Freude am Leben wiederzufinden, auch an den Kinokassen abräumen darf, muss sich erst noch entscheiden. Das Publikum kann sich jedenfalls auf Mads Mikkelsen und seine Performance als Titelfigur freuen.

SPACE DOGS:

Auch das heimische Filmschaffen ist vom Auf- und Zu-Spiel der Kinos getroffen. So konnte das Doku/Fiktion-Essay „Space Dogs“ von Elsa Kremser und Levin Peter zwar bereits 2019 bei den Filmfestspielen von Locarno überzeugen, ein Kinostart steht aber bis dato aus. Im Februar soll die bei der Weltraumhündin Laika startende und zu den heutigen Straßenhunden von Moskau führende Erzählung nun tatsächlich regulär auf der großen Leinwand zu sehen sein.

CATWEAZLE:

In den 70ern war die britische Serie „Catweazle“ um einen schrulligen Magier aus dem 11. Jahrhundert, der irrtümlich in der Gegenwart landet, ein TV-Hit. Für die neue Kinofassung stieg nun der deutsche Kultkomiker Otto Waalkes in die großen Fußstapfen.

NOMADLAND:

Bei den Filmfestspielen von Venedig 2020 präsentierte sich Chloe Zhaos Essay „Nomadland“ über das Amerika von heute als großer Gewinner. Oscar-Gewinnerin Frances McDormand ist darin als Frau zu sehen, die nach Schicksalsschlägen in ihrem Auto lebend als Nomadin durch die USA zieht, stets auf der Suche nach Arbeit und sich selbst.

AUFZEICHNUNGEN AUS DER UNTERWELT:

Tizza Covi und Rainer Frimmel sind Meister darin, in Milieus einzutauchen und mit Kinopreziosen zwischen Fiktion und Dokumentation aufzutauchen. Das gilt auch für ihr neues Projekt „Aufzeichnungen aus der Unterwelt“, für das sie die Milieus der Wiener Unterwelt der 60er-Jahre anhand des Wienerlied-Sängers Kurt Girk und seines Freundes Alois Schmutzer beleuchten.

JAMES BOND: KEINE ZEIT ZU STERBEN:

Vor allem hatte James Bond im vergangenen Jahr nicht nur keine Zeit zu sterben, sondern keine Zeit, ins Kino zu kommen. Durch mehrmalige Verschiebungen wurde das neueste Abenteuer des britischen Geheimagenten beinahe zum Synonym für die Filmindustrie in der Coronakrise. Nun soll es Ende März so weit sein, dass Daniel Craig zum letzten Mal in der Titelrolle im Einsatz ist.

HOCHWALD:

Das Regiedebüt „Hochwald“ von Cutterin Evi Romen feierte seine Weltpremiere im Vorjahr in Zürich, wo der Film gleich seine Sektion gewann. Im Zentrum steht der junge Mario, der den Aufbruch aus seinem Südtiroler Dorf schafft und im Zuge seines Coming-Out und Coming-of-Age am Ende wieder dorthin zurückkehrt und dort nicht nur von Nadim, sondern auch dem Islam angezogen wird.

MINIONS:

2010 waren die Minions in ihrem ersten Kinoauftritt „Ich — Einfach unverbesserlich“ nicht mehr als lustige Sidekicks. Doch die kleinen, gelben Tic-Tac-Wesen mit Hang zu Anarchie, Chaos und Gewalt entwickelten sich bald zu Publikumslieblingen und erhielten fünf Jahre später mit „Minions“ bereits ihren eigenen Film. Mit „Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ folgt nun die Fortsetzung. (Geplanter Kinostart derzeit 1. Juli)

TOP GUN: MAVERICK:

Tom Cruise ist schon gute 30 Jahre im Geschäft, das mit dem Fliegerhit „Top Gun“ 1986 so richtig abhob. Nun ist Cruise wieder in der Kampfpilotenuniform zu sehen, auch wenn sein Pete „Maverick“ Mitchell nunmehr als Ausbilder tätig ist. Neben Kollegen wie Val Kilmer und Ed Harris findet sich auch Miles Teller („Whiplash“) im Cast, der den Sohn von Mitchells verstorbenem Freund Nick „Goose“ Bradshaw spielt.

TOD AUF DEM NIL:

2017 startete Kenneth Branagh mit „Mord im Orient Express“ eine neue Reihe an Verfilmungen von Werken der Krimi-Königin Agatha Christie. Diesem Auftakt soll nun „Tod auf dem Nil“ folgen, der bereits 1978 mit Peter Ustinov ein Erfolg wurde. Erneut übernimmt Branagh nicht nur die Regie, sondern auch die Rolle des belgischen Privatdetektivs Hercule Poirot, der dieses Mal einen mysteriösen Todesfall bei einer Dampferfahrt auf dem Nil klären muss.

DUNE:

Der Kanadier Denis Villeneuve gilt als einer der Fortdenker des althergebrachten Science-Fiction-Genres und konnte mit Arbeiten wie „Arrival“ oder „Blade Runner 2049“ nicht nur ästhetisch überzeugen. Nun bringt der 53-Jährige mit „Dune“ das nächste Sci-Fi-Stück ins Kino — und wieder bezieht sich Villeneuve auf ein großes Vorbild, nämlich David Lynchs „Wüstenplanet“ aus den 80ern. Statt Kyle MacLachlan ist es nun Jungstar Timothee Chalamet („Call Me by Your Name“), der sich an der Seite von Altstars wie Josh Brolin, Stellan Skarsgard, Charlotte Rampling oder Javier Bardem auf dem Wüstenplaneten Arrakis mit seinen Sandwürmern als Befreier durchsetzen muss — findet sich doch schließlich nur hier mit dem „Spice“ die wertvollste Substanz des Universums.

WEST SIDE STORY:

Das Filmmusical „West Side Story“ mit der Musik von Leonard Bernstein gehört heute zu den Klassikern des Genres und der Filmhistorie. Wer würde sich da an das Wagnis einer Neuverfilmung wagen, wenn nicht Altmeister Steven Spielberg, der bei der Veröffentlichung des Originals 1961 gerade einmal elf Jahre zählte? Für seine Version der Liebesgeschichte hat der Oscar-Gewinner einerseits Ansel Elgort („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) und andererseits Nachwuchshoffnung Rachel Zegler als Romeo & Julia-Wiedergänger Tony und Maria verpflichtet.

MISSION IMPOSSIBLE 7:

Dass er auch mit seinen knapp 60 Jahren nicht vor Actionszenen zurückschreckt, stellt Hollywoodstar Tom Cruise heuer nicht nur mit der Fortsetzung seines frühen Hits „Top Gun“ unter Beweis, sondern auch mit sage und schreibe Teil 7 der Actionserie „Mission Impossible“. Als Agent Ethan Hunt soll Cruise wieder die Welt retten, wobei noch wenig über den Inhalt des Streifens bekannt ist, für den bereits zum dritten Mal in der „MI“-Serie Christopher McQuarrie die Regie führte. Und weil es gerade so gut läuft, wird auch Teil 8, der für 2022 vorgesehen ist, von McQuarrie verantwortet.

QUO VADIS, AIDA?:

Die österreichische Koproduktion „Quo vadis, Aida?“ von Jasmila Zbanic erlebte im Vorjahr bei den Filmfestspielen von Venedig im Wettbewerb ihre Weltpremiere. Zbanic zeigt das berüchtigte Massaker von Srebrenica anhand ihrer Titelfigur Aida, die als Übersetzerin für die UN-Friedenstruppen arbeitet, die in der Nähe von Srebrenica stationiert sind. Aida will ihren Mann und ihre Söhne retten und gerät dabei in die Spirale der Gewalt, die letztlich in die Katastrophe führt.

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