Botanischer Garten in neuem Licht

Mystischer und heiterer „Sommernachtstraum“ in Linz

Sabine Rechberger als Hermia
Sabine Rechberger als Hermia © Alois Endl

Von Astrid Braun

Es ist ein schönes Erlebnis, spät abends durch den Botanischen Garten in Linz zu wandern, begleitet vom Zirpen der Grillen. Mystisch wird’s, wenn der Besucher von Leuchtblumen, farbigen Spots, Fackeln, Lichterketten, duftendem Rauch und zischenden Tänzern geleitet wird.

Üblicherweise schließt die Linzer Einrichtung ihre Pforten um 19 Uhr, nicht aber, wenn es Abendveranstaltungen gibt. Und heuer ist darunter erstmals ein Sommertheater.

Technik und Natur

„Der botanische Sommernachtstraum“ nach der Komödie von William Shakespeare in einer Bearbeitung des Limbic Theatre unter Regisseur David Jentgens, umgesetzt in Kooperation mit dem Ars Electronica Center, feierte gestern Premiere und spannte den Bogen zwischen Altertum und Moderne, Technik und Natur. Das Stück — im Ensemble arbeiten Laien und Profis zusammen — beginnt auf der nur mit Efeu geschmückten Bühne im Pavillon und entführt ins antike Athen, doch die Verbindungen ins Heute werden stets betont.

Theseus (Gunnar Blume), Fürst zu Athen, lädt zur Hochzeit, doch Hindernisse stehen im Weg. Die Natur ist im Streit, eine Zwangsheirat bahnt sich an und die Handwerker stoßen auf Probleme bei der Inszenierung ihres Ehrenstücks. Gut eine halbe Stunde verbringt das Publikum sitzend vor der Haupttribüne, dann beginnt der Gang durch den Garten. Die Zuschauer werden nach Farben in Gruppen eingeteilt und folgen ihren „Elfen“. „Jede Gruppe darf alles erleben, nur in unterschiedlichen Reihenfolgen“, versichert Michaela Obermayer, die als Puck mit ihrer Textbeherrschung glänzt: „Alles ist möglich, Zeit und Raum existieren nicht.“

Und so schreiten die Zuschauer hinein in die Fantasiewelt. Beim Rosengarten steigt duftender Rauch empor, Tänzer in Leuchtkostümen bewegen sich zischend und zeigen den Weg zu Titania (Ilona Roth), die auf der in lila-rotes Licht getauchten Naturbühne ihr Kind im Arm hält, um sich später verzaubert und liebestoll auf den Esel zu stürzen. Im Hintergrund zu hören: eine Fuge von Hendrik Andriessen. Sie gehört zur nächsten Szenerie. Auf dem Weg dorthin ein scheinbarer Halt auf Pandora, dem Planeten aus dem Film „Avatar“. Bei der großen Rotbuche hängen die an den „Baum der Seelen“ erinnernden Lichtfäden vom Geäst und spinnen ihr Netz am Boden. Beim viereckig umrandeten Teich, zwischen Anemone und Aster, dreht sich das Liebeskarussell um die verliebten Hermia (Sabine Rechberger) und Lysander (Florian Arbeithuber) sowie Dymetrius (Georg Kreuml) und die ihm verfallene Helena (Tanja Regele) weiter.

Vorbei an der großen Lichterkette führt der Weg zu den Handwerkern. In der Garage sind sie am Proben und es wird bodenständig. Das Publikum lacht und singt am Ende den „Thisbe-Pyramus-Blues“ mit.

Berührender Abschluss

Nachdem alle den Rundgang inklusive Pause absolviert haben, geht’s zum Finale wieder vor den Pavillon. Die große Hochzeit steht an. Jeder „Topf“ bekommt seinen „Deckel“. „Und was nicht passt, wird passend gemacht“, haut Hypolita (Ilona Roth) raus. Dann sorgt das „Stück im Stück“ der Handwerker für Geschmunzel und so manchen lauten Lacher, bevor sich das Ensemble „mit Stil und Ausgewogenheit“ verabschiedet: Der Schlusssong berührt tief — „Lullabye (Goodnight, My Angel)“ von Billy Joel — „Der botanische Sommernachtstraum“ gelangt im Gedenken an die im Vorjahr verstorbene Maria Schwarz-Schlöglmann, ehemalige Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums OÖ, zur Aufführung.

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Weitere Termine, Juli, jeweils 20 Uhr: 19., 20., 25. 26., 27.; 15 Uhr: 21. Juli. Karten: limbic.kupfticket.at

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