Brady vs. Mahomes – Super Bowl als großes Generationenduell

Für viele ist es eine Art Staffelübergabe. Patrick Mahomes gilt als neues Gesicht der National Football League (NFL). Bis der 25-Jährige in die Sphären eines Tom Brady vordringen kann, wird noch einige Zeit vergehen. Sollten Mahomes und die Kansas City Chiefs ihren Super-Bowl-Titel am Sonntag (Montag 0.30 Uhr MEZ/live PULS 4 und PULS 24) gegen Brady und die Tampa Bay Buccaneers aber erfolgreich verteidigen, wäre es eine Bestätigung für den eingeläuteten Generationswechsel.

Die ungewöhnliche Corona-Saison der NFL erlebt zum Abschluss in Florida einen Showdown zweier Ausnahme-Quarterbacks. Brady steht bereits zum zehnten Mal in seiner Karriere im Endspiel, sechsmal hat es der Rekordmann mit den New England Patriots bereits für sich entschieden. In Jahr eins in Tampa erhält der 43-Jährige erneut die Chance. Seine Buccaneers genießen in der 55. Auflage als erstes Team der Super-Bowl-Geschichte Heimvorteil.

Kansas City gilt dennoch als leichter Favorit. Das überragende Team der American Football Conference (AFC) hat in der regulären Saison nur zwei Spiele verloren. Eine erfolgreiche Titelverteidigung wäre die erste seit 2005 – seit Brady und den Patriots. Mahomes schaffte es als jüngster Quarterback der Geschichte zum zweiten Mal in Serie ins Finale. „Der Job ist noch nicht erledigt“, betonte der Texaner. „Als wir in die Saison gegangen sind, haben wir nicht darüber gesprochen, die Super Bowl zu erreichen. Wir haben darüber gesprochen, sie erneut zu gewinnen.“

Mahomes ist ein Ausnahmetalent, er hätte auch im Baseball Karriere machen können. Den Titel als wertvollster Spieler (MVP) der NFL hat er schon seit 2018 in seiner Vita stehen, jenen als Super-Bowl-MVP seit dem Vorjahresfinale. Ob er lange genug Football spielen wird, um Bradys Rekorde anzugreifen, weiß nicht einmal er selbst. Mahomes wird im Frühjahr erstmals Vater, Inspiration zieht er aber auch aus der langen Karriere seines Rivalen. „Wenn man diesen Sport lange ausüben will, muss man sehr auf seinen Körper achten.“

Brady, der GOAT (Greatest of All Time), hat das immer getan. Das Duell mit seinem potenziellen Nachfolger wird zu einem der größten Quarterback-Showdowns der Historie hochstilisiert. Dabei hat sich Brady in den Play-offs zuletzt nicht gerade in Überform präsentiert. Manche Kritiker unken, dass die Buccaneers nicht wegen, sondern trotz ihm die Super Bowl erreicht haben. Dem Altmeister wird es egal sein, sollte er am Ende als erst zweiter Quarterback nach Peyton Manning mit zwei verschiedenen Teams die Vince Lombardi Trophy gewonnen haben.

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Tampa hat um ihn herum ein Star-Ensemble zusammengekauft – etwa dessen langjährigen Weggefährten Rob Gronkowski, der für Brady aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist, den umstrittenen Antonio Brown oder Runningback Leonard Fournette. Startschwierigen gab es, Brady reduzierte sie aber auf ein Minimum. Nach zwei Dritteln der Saison standen die Buccaneers bei 7:5 Siegen. „Wir haben das Gefühl gehabt, dass wir unseren Rhythmus finden müssen“, sagte Brady. Seither haben die Bucs sieben Siege in Serie eingefahren. Belohnung für all die Risiken, die Tampa mit der Kaderzusammenstellung eingegangen ist, ist die zweite Super-Bowl-Teilnahme des Clubs nach dem Titelgewinn 2003.

Verlassen dürfen sich die „Freibeuter“ auf eine starke Defense. Im Conference-Finale brachten Jason Pierre-Paul und Shaquil Barrett Green-Bay-Star Aaron Rodgers alleine fünfmal zu Fall. Einige Beschützer von Mahomes in der Offensive Line fehlen verletzungsbedingt. Ein Erfolgsrezept für das Heimteam könnte also sein, intensiv Jagd auf den Star-Quarterback zu machen – auch wenn dieser ein Meister im Entkommen aus brenzligen Situationen ist.

„Pat liefert immer ab. Vor allem, wenn sein Team ihn am dringendsten braucht“, warnte Brady. Die größten Offensivwaffen von Mahomes sind Receiver Tyreek Hill, genannt „der Gepard“, und Tight End Travis Kelce. Dazu kommt mit Andy Reid ein erfahrener Cheftrainer. „Alleine die Chance zu bekommen, unseren Erfolg zu wiederholen, ist etwas sehr Spezielles“, sagte der 62-Jährige. Für seinen Gegenüber, Bruce Arians (68), wäre es der erste Super-Bowl-Titel als Head Coach.

Das Raymond James Stadium in Tampa wird trotz der Corona-Beschränkungen zu mehr als einem Drittel gefüllt sein. 25.000 Zuschauer dürfen ins Stadion, 7.500 davon sind bereits gegen Corona geimpfte Mitarbeiter aus dem US-Gesundheitswesen, die die NFL eingeladen hat. Es ist dennoch der geringste Besuch der Super-Bowl-Geschichte. Darüber werden auch die 30.000 zusätzlichen Pappaufsteller im Stadion nicht hinwegtäuschen können.

Das Coronavirus wirbelt einige Traditionen durcheinander. Auf eine Halbzeitshow müssen die TV-Konsumenten aber nicht verzichten. Der kanadische R&B-Star „The Weeknd“ wird sie vortragen. Dazu tritt vor Spielbeginn die junge Poetin Amanda Gorman auf, die bereits bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden die Nation bewegt hat. In ihrem Gedicht soll es um die Leistungen der „essenziellen Arbeiter“ gehen – die wahren Helden der Pandemie.

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