Brahms versus Bruckner: Eine Frage der Transparenz?

Thomas Riebl & Minguet Quartett im Linzer Brucknerhaus

Thomas Riebl
Thomas Riebl © Reinhard Winkler

In exquisiter Sinnhaftigkeit zusammengestellt war das Programm des Kammermusik-Abends am Donnerstag im Brucknerhaus.

Mit dem Streichquintett Nr. 1 in F-Dur op.88 von Johannes Brahms und dem singulären Quintett in F-Dur WAB 112 Anton Bruckners standen einander zwei für ihre Schöpfer exemplarische Werke gegenüber; zudem erklang das selten zu hörende „Intermezzo“ Bruckners, das dieser als spätere Variante des originalen Scherzos seines Quintetts komponiert hatte.

Der herkulischen Aufgabe, diese „Brocken“ adäquat zu interpretieren, unterzog sich das renommierte Minguet Quartett zusammen mit Thomas Riebl als zweitem Violisten imponierend; jedoch mit deutlichen Unterschieden, die nicht nur in den Werken selbst begründet waren.

Beide Quintette quellen von meisterhafter Kontrapunktik und feiner Melodik über; jedes in seiner Art vermittelt immer wieder die Illusion einer sozusagen abgeschlankten Sinfonie. Bei Brahms schienen freilich viele Details in häufigen Mezzoforti unterzugehen; hingegen wurden Bruckners Werke förmlich in einem Hochseilakt absoluter Transparenz dargeboten, die deren komplizierte Struktur extrem verdeutlichte.

Der Eindruck des „Akademischen“ entstand erst gar nicht; vielmehr war auch die tiefe Emotionalität von Bruckners Meisterwerk berührend zu spüren. Jubelnder Schlussbeifall forderte noch eine Zugabe.

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