Brandblasen von der heißen Liebe

    Grandioser Shakespeare am Ausee in Asten

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    Eine Inszenierung voll genialer Einfälle.
    Eine Inszenierung voll genialer Einfälle. © Open House Theatre

    Von Eva Hammer

    Gibt es was Besseres bei diesem Wetter als mit Picknickkorb auf der Wiese zu liegen, und dabei grandiose Unterhaltung auf einer Seebühne zu genießen? Das Wiener Ensemble „Open House Theatre“ unter Patronanz der Ausee-Herrschaft Segur-Cabanac macht das bis 16. August am Ausee in Asten möglich. Die Komödie „Zwei Haare auf der Brust“, nach Shakespeares frühem Werk „Zwei Herren aus Verona“, bietet einen großen Klassiker in einer von Maria Lohn auf den Kopf gestellten schrillen temporeichen Fassung.

    Intrigen & Liebesnöte

    Valentina und Diana (Julia Thorne und Dana Proetsch), zwei noble heiratsfähige Damen aus Verona, wollen bei der Gräfin von Mailand (großartig: Lynn Ann Williams) ihr Glück versuchen. Zwar ist Diana mit Julius verlobt, doch beide Ladys verlieben sich in Silvius, den Sohn des Hauses. Den hat die gräfliche Mutter allerdings für die nichts als reiche Madame Thuria (Nicola Segur-Cabanac) vorgesehen. Tür und Tor stehen offen für die absurdesten Intrigen und Liebesnöte. Julius bringt die Frau seines Herzens dazu, sich selbst einen Liebesbrief zu schreiben, aber so, „dass sie es eh nicht checkt“. Der „himmlisch erhabene, göttliche“ Silvius hat mit der grottendummen Thuria natürlich nichts am Hut, „Brandblasen von der heißen Liebe“, holt er sich bei Valentina.

    Regisseurin Maria Lohn tauscht Männer- und Frauenrollen. Rein und unverbraucht, aber bockig und sensibel halten die Männer, (Robert G. Neumayr als Silvius und Stefan Ried als Julius) ihre tapferen handfesten Weiberleut auf Trab. Heldenhaft schützen diese ihre Angebeteten vor den lüsternen Blicken anderer Frauen. Getoppt werden die allesamt witzigen Gestalten von den Dienstmädchen Helena Scheuba und Ursula Baumgartner. Slapstick, Comedy und Schmähführen ist ihr Metier.

    Statt vor dem Klassiker niederzuknien, setzt Lohn genau dort an, wo es wohl auch der Meister getan hätte, nämlich direkt am Puls der Zeit. Sprachlich ist nichts heilig, schnoddriger Wiener- und oberösterreichischer Dialekt passen genau zu den exzessiven Typen, in denen nicht Körnchen, sondern mächtige Brocken Wahrheit stecken. Bei aller Überzeichnung und Komik eine glaubhafte Mischung. Die Inszenierung strotzt vor Einfallsreichtum und Respektlosigkeit gegenüber abgehobener Klassikverehrung. Heiße Empfehlung!

    Tickets zum halben Preis bei Erwähnung „NEUES VOLKSBLATT“ an der Abendkasse!