Brasilianer Chico Buarque gewinnt Camoes-Literaturpreis

Der brasilianische Musiker, Schriftsteller und Dramaturg Chico Buarque erhält den diesjährigen Camoes-Preis, die höchste literarische Auszeichnung der portugiesischsprachigen Welt. Die Jury in Rio de Janeiro würdigte am Dienstagabend (Ortszeit) Medienberichten zufolge das facettenreiche Werk des 74-Jährigen, bestehend aus Gedichten, Romanen, Theaterstücken und Liedtexten.

Der aus Rio stammende Künstler sang einst politische Lieder gegen die Militärdiktatur in Brasilien (1964-1985) und wurde 1966 auch international mit dem Stück “A Banda” berühmt. Es erzählt, wie eine Kapelle durch die Straßen einer brasilianischen Kleinstadt marschiert und die Menschen für einige Minuten aus ihrer Alltagstristesse reißt.

Buarque schrieb auch Theaterstücke, etwa 1978 die “Opera do Malandro”, eine Version von Brechts Dreigroschenoper, sowie mehrere Romane. Zuletzt erschien auf Deutsch 2016 “Mein deutscher Bruder”. Darin erzählt er, wie er auf ein jahrzehntealtes Familiengeheimnis stieß: Er hatte einen Halbbruder in der DDR, den Sänger Sergio Günther (1930-1981). Buarque erfuhr dies erst lange nach dessen Tod.

Der mit 100.000 Euro dotierte Preis ist nach dem portugiesischen Dichter Luís de Camoes (1524-1580) benannt, Autor des Nationalepos “Die Lusiaden”. Er wird nach einem Übereinkommen zwischen Portugal und Brasilien seit 1989 alljährlich abwechselnd in einem der beiden Länder für das Gesamtwerk eines portugiesischsprachigen Autors vergeben. Überreicht wird die Auszeichnung im September in Lissabon.

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