Bregenzer Festspiele setzen auf einen Sommer der Emotionen

Bregenz präsentiert in Wien Japan und Sibirien: International geht es heuer bei den Bregenzer Festspielen zu, die auf der Seebühne ab 20. Juli mit Puccinis „Madame Butterfly“ und tags darauf im Festspielhaus mit Umberto Giordanos „Sibirien“ in die Saison 2022 starten. Gerade bei der „Butterfly“ werde es unter Regie von Andreas Homoki heuer vor allem um eines gehen: Emotion, wie Intendantin Elisabeth Sobotka bei der Präsentation in Wien unterstrich.

„Wir brauchen kein Stück für große Massen, wo viel passiert. Was der See kann, ist, Emotionen zu vergrößern“, begründete Sobotka ihre Entscheidung, erstmals den Puccini-Klassiker auf den Spielplan zu heben, der nun in der ersten Saison 26 Mal am See zu sehen sein wird. Dabei setzt man auf ein 1.340 Quadratmeter großes Blatt Papier als dominantes Bühnenelement. „Die Einsamkeit der Butterfly wird damit ganz stark, bewegend und magisch herausgehoben“, zeigte sich Sobotka angetan von der Spielfläche für die „Breitleinwandmusik“ der Butterfly, bei der man sich in Bregenz für den ungewohnten deutschen Titel „Madame Butterfly“ (anstelle des originalen „Madama Butterfly“) entschieden hat. Es gehe also um eine gänzlich andere Konzeption als die des Erfolgshits „Rigoletto“, der zuletzt als technisches Spektakel auf der Seebühne für ausverkaufte Ränge sorgte: „Das wird manche Leute irritieren, manche begeistern.“

Ein weiteres tragisches Frauenschicksal neben der „Butterfly“ zeigt Umberto Giordanos spätveristisches Stück „Sibirien“, die heurige Hausproduktion, die mit Regisseur Vasily Barkhatov und Dirigent Valentin Uryupin ein russisches Leadingteam hat – eine Entscheidung, zu der man bewusst stehe, unterstrich Sobotka. Jene Russen, die im Westen Kunst machen wollten, seien in der überwiegenden Mehrheit Unterstützer der Demokratie und gegen den Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine: „Wir müssen sehr genau schauen, dass wir hier die Kommunikation nicht unterbrechen.“ Dass sich Barkhatov für eine sehr zeitgenössische Umsetzung entschieden hat, bei der Geschichte aus Sicht eines Kindes erzählt wird, das im Gulag nach den Spuren seiner Eltern sucht, erhalte angesichts der Weltlage jedenfalls eine ganz neue Bedeutung.

Ein hoffentlich weniger tragisches Frauenschicksal erwartet Elisabeth Sobotka dann ab 2024, wechselt die Bregenz-Intendantin nach der Seesaison doch an die Berliner Staatsoper. Das begrenzt den zeitlichen Gestaltungsspielraum der Festspielchefin etwas, wie sie am Donnerstag unterstrich: „Neue Erfindungen sind nicht mehr möglich.“ Zugleich habe man aber in den vergangenen Jahren die Festspiele deutlich verbreitet und werde auf diesem Weg voranschreiten, wozu etwa das Opernatelier gehört, bei dem 2024 unter Regie von David Pountney in Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz ein neues Werk Premiere feiern soll.

Während die Intendantin also 2024 die Festspiele verlässt, setzt man am Pult auf Kontinuität. Der italienische Maestro Enrique Mazzola ist nun als Residenzdirigent verpflichtet und wird nicht nur heuer die „Butterfly“ und kommendes Jahr die Hausoper leiten, sondern 2024 auch das neue Spiel am See, Carl Maria von Webers „Der Freischütz“, der von Philipp Stölzl gestaltet wird. „Ich weiß, dass das eine echte Herausforderung ist – aber genau die hat mich gereizt“, freute sich Mazzola auf seine neue Aufgabe.

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Alles in allem strahlt man in Bregenz heuer also Optimismus aus – und das gilt auch für den kaufmännischen Geschäftsführer Michael Diem, der ein Jahresbudget von rund 27 Mio. Euro zu verantworten hat: „In Summe sind wir zu gut 75 Prozent verkauft. Wenn es so weiter geht, werden wir eine sehr, sehr schöne Auslastung haben.“ Alleine für die „Butterfly“ hat man 189.000 Karten aufgelegt und erwartet in Summe rund 230.000 Besucher bei den Festspielen.

(S E R V I C E – )

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