Brillante Münchner Philharmoniker bei Bruckners 5. Sinfonie

Das musikalische und logistische Großprojekt einer Gesamtaufnahme aller nummerierten Sinfonien von Anton Bruckner in der Basilika des Stifts St. Florian durch die Münchner Philharmoniker steht vor dem Abschluss. In der kommenden Woche sind noch die fünfte, sechste und siebente Sinfonie an der Reihe. Zuvor, am Montagabend, gastierte das Orchester mit Bruckners Sinfonie Nr. 5 im Linzer Brucknerhaus.

Im Großen Saal spielten die Münchner in großer Besetzung unter der Leitung ihres Chefdirigenten Valerij Gergiev bei idealen akustischen Bedingungen. Wie schon bei den Brucknerkonzerten der letzten Jahre, bewiesen die Musiker, dass sie zu den besten Bruckner-Interpreten weltweit gehören. Man bewunderte wieder die Brillanz des gesamten Orchesters – die Homogenität der die volle Breite des Podiums einnehmenden Streicher, die Duftigkeit der Holzbläser und die alles überstrahlenden Blechbläser.

Den Bläserchoral des Finales der 5. Sinfonie kennt das Linzer Brucknerhaus-Publikum seit 45 Jahren als Pausenzeichen. Gergiev leitete die Wiedergabe mit dem für ihn typischen Fingerspiel. Für das Publikum ein wenig irritierend, versteht das Orchester die ohne Taktstock arbeitenden zittrigen Hände. Vom Gesamteindruck bleibt für die bevorstehenden drei Bruckner-Konzerte in St. Florian aber noch ein wenig “Luft nach oben”. Da spielen auch der barocke Großraum der Kirche und Bruckners geistige “Anwesenheit” mit.

Der Sinfonie hatte der Dirigent für das Linzer Konzert ein bis dato unbekanntes “Symphonisches Präludium” vorangestellt. Dabei handelt es sich um eine Kompositionsübung des Bruckner-Schülers Rudolf Krzyzankowski (1859 – 1911) nach einem von Bruckner vermutlich vorgegebenen Thema. Angesichts der darauf folgenden 5. Sinfonie hinterließ das einsätzige “Präludium” jedoch keinen nachhaltigen Eindruck.

Bereits bei den Internationalen Brucknerfesten Linz 2017 und 2018 wurden jeweils drei Sinfonien am Wirkungs- und Begräbnisort des Komponisten musiziert und für Bild- und Tonträger aufgezeichnet. Heuer stehen nun also die restlichen drei an.

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