Brönner, Bruckner und ein „Plan B“

Brucknerhaus präsentiert 221 Veranstaltungen für kommende Saison

John Malkovich
John Malkovich © Wilken

Ein paar mehr Veranstaltungen als ursprünglich geplant hält das Programm des Linzer Brucknerhauses für die Saison 2020/21 bereit — coronabedingt, wie so vieles in dieser Zeit. Man habe verschieben müssen, auf so manchen Ersatztermin warte man noch, erklärt der künstlerische Vorstandsdirektor der Liva, Dietmar Kerschbaum.

Aber man freue sich, ein „reales“ Programm für den Herbst mit 221 Veranstaltungen vorstellen zu können, „in relativer Normalität“ sagt Bürgermeister Klaus Luger. Und Kerschbaum rechnet bis spätestens Herbst mit weiteren Lockerungen im Veranstaltungsbereich, ansonsten habe man einen „Plan B“.

Breit aufgestellt von Schneider bis Hollywood

Stehen wird die kommende Saison unter dem Motto „Zeit“, oder exakt: „Zeit. Gleichtzeitig — (Un-)zeitgemäß — zeitlos“ und sie präsentiert sich genremäßig recht breit und übergreifend mit den anderen Häusern der Liva, Posthof und Kuddelmuddel. So kommt es, dass die Brucknerhausbühnen von großen Namen bespielt werden, die von der „Grand Dame des Klavierspiels“, so Kerschbaum, Elisabeth Leonskaja (14. März 2021) über Trompeter Till Brönner (23. November 2020) bis Helge Schneider (9. Dezember 2020) und Rebekka Bakken (14. Dezember 2020) reichen.

Das Brucknerhaus verspricht sogar Hollywood-Flair und lädt für den 28. Februar 2021 Schauspieler John Malkovich („The New Pope“) ein. In dem Multimediastück „Just call me God“ — geschrieben und inszeniert von „Jedermann“-Regisseur Michael Sturminger — ergründet Malkovich die seelischen Abgründe eines Diktators, dessen Zeit abläuft. Der Soundtrack kommt von Martin Haselböck an der neuen Orgel des Brucknerhauses. Hollywoodflair made in Austria gibt es am 16. Mai 2021 mit Klaus Maria Brandauer, der zu Orgelmusik von Magdalena Hasibeder Auszüge aus Stefan Zweigs Erinnerungsbuch „Die Welt von Gestern“ vorträgt.

Brucknerhaus im Museum und auf dem Taubenmarkt

Wird Anton Bruckner beim heurigen Brucknerfest (4. September bis 11. Oktober) aus seiner Zeit heraus zu verstehen versucht, werden die Meister Schostakowitsch und Mozart in der kommenden Saison auch bewusst nebeneinander platziert. Den beiden Komponisten sind jeweils Schwerpunkte gewidmet, Elisabeth Leonskaja etwa wird Klavierkonzerte Mozarts zum Besten geben und das Rundfunk Sinfonieorchester Prag unter Alexander Liebreich am 25. Jänner 2021 Schostakowitsch. Bruckner und Brahms wiederum stehen am 24. September 2020 auf dem Programm des Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner.

Viele Reihen bleiben auch in der kommenden Saison erhalten, einiges kommt neu dazu, wie etwa das Projekt „Brucknerhaus goes Museum“, bei dem Musik- und Ausstellungserlebnis verbunden werden. So spielt am 23. Oktober 2020 das Les Vendredis Quartett im Lentos und am 20. April 2021 der aus Linz stammende Pianist Andreas Eggertsberger im Schlossmuseum. Für die Dauer des Brucknerfestes wird heuer eine Komposition des „Composer in Residence“, Oscar Jockel, am Taubenmarkt in Linz als Klanginstallation zu hören sein.

Neues bringt die aktuelle Situation auch im personellen Bereich, wie Bürgermeister Luger am Mittwoch bekannt gab: Der kaufmännische Vorstandsdirektor der Liva, Tomas Ziegler, wird sich ab sofort nur noch um die Belange des Design Centers kümmern, der Posten des kaufmännischen Leiters des Brucknerhauses wird ausgeschrieben.

Programm- und Karteninfos: www.brucknerhaus.at

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