Bruckners „Fünfte“ unter Gergiev

Münchner Philharmoniker begeisterten im Linzer Brucknerhaus

Valerij Gergiev entlockte den Münchner Philharmonikern eine Vielfalt an Klangfarben.
Valerij Gergiev entlockte den Münchner Philharmonikern eine Vielfalt an Klangfarben. © vog.photo/LIVA

Im Großen Abo des Brucknerhauses begann die neue Saison am Montag mit einem Konzert, in das auch das Brucknerfest eingebunden war.

Die Münchner Philharmoniker spielten unter ihrem Chefdirigenten Valerij Gergiev eingangs ein „Symphonisches Präludium“, das vom Bruckner-Schüler Rudolf Krzyzanowski überliefert wurde und so manche für Bruckner signifikante Stilelemente enthält. Die Urheberschaft der Komposition ist allerdings nicht geklärt.

Vielfalt von Klangfarben

Als Hauptwerk des Abends erklang Bruckners monumentale 5. Symphonie, die der Komponist lediglich in der Fassung für zwei Klaviere hören durfte. In diesem Werk sind die ersten drei Sätze gleichsam eine Vorbereitung zum kontrapunktischen Meisterstück des Finales. Dabei überrascht uns der Komponist mit einer thematischen Verknüpfung der vier Sätze. Im Verlauf eines langen Lebens erfährt man als „Brucknerianer“ die verschiedensten Sichtweisen der Bruckner-Interpretation. Galt einst Eugen Jochum als Maßstab, überraschte sodann Sergiu Celibidache durch seine eigenwillige, eine fast sphärische Aura verbreitende Lesart. Valerij Gergiev ließ sich in seiner Interpretation viel, sehr viel Zeit, so dass die ersten drei Sätze ungemein gedehnt erschienen. Doch dank seiner Gestaltungskraft und seiner analytischen Fähigkeiten wurde dabei eine Durchsichtigkeit der Stimmen erzielt, die restlos überzeugte. Das Orchester hat offenbar einen besonderen Zugang zu dem Werk, denn immerhin waren es die Münchner Philharmoniker, die die „Fünfte“ 1935 in der Originalversion uraufgeführt hatten. Taktstocklos, nur mit seinen vibrierenden Fingern gelang es Gergiev, im Orchester enorme Spannungsbögen aufzubauen und eine Vielfalt von Klangfarben zu erzeugen. Das Publikum dankte mit frenetischem Jubel im voll besetzten Saal.

Wie ist Ihre Meinung?