Brucknertage starten mit Männerstimmen

Frenetisch gefeierter Hard Chor bei der Eröffnung in St. Florian

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01eroeffnung22_(38).jpg © R. Winkler

Ein Festival mit einem Männerchorkonzert zu eröffnen, mag ungewöhnlich sein. Im Falle der Brucknertage (bis 20. August), die am Sonntag im Marmorsaal des Stiftes St. Florian starteten, hat es seine Berechtigung. Anton Bruckner war bekanntlich dem Kapitel Männerchor besonders verbunden. Er war Chormeister und Ehrenmitglied der einstigen Liedertafel „Frohsinn“, sang selbst die zweite Tenorstimme und dirigierte sein letztes Männerchorkonzert in St. Florian 1877, also mit 53 Jahren. Seine fleißige Feder hinterließ einen Reichtum an Männerchören, die sein Schaffen bedeutend markierten.

Alexander Kollers vor 15 Jahren gegründeter Hard Chor als ein Elite-Ensemble der heutigen Linzer Singakademie, jetzt mit dem Beinamen „Deluxe“, bot an diesem geweihten Ort ein kontrastreiches Programm mit Männerchören, das allerdings nur vier Stücke des Genius loci enthielt. Die Kombination mit einer Reihe von Werken lebender Komponisten internationaler Herkunft war aber verpflichtend. So konnte seine Mannschaft ihr weitausladendes Repertoire beweisen und dem innovativen Bruckner wurde in besonderer Weise gehuldigt.

Die Himmelsleiter zur Ewigkeit

„Nearer to Bruckner“ war das Motto und führte die Sängerschar mit allen ihren künstlerischen Fähigkeiten „die Himmelsleiter zur Ewigkeit empor“. Kollers Erziehungsarbeit war greifbar. Sein Gefühl für ein bei der vorhandenen Raumakustik durch eine wechselnde Choraufstellung angepasstes Klangbild, sein die Sänger motivierendes Dirigat, die Impulse, die er bei der sorgsamen Stimmführung und Atemverteilung setzt und vor allem seine ansteckend wirkende unbändige Freude an einem gemeinsamen Singen und Musizieren. Stilistisch war man gefordert bei der Interpretation von weltlichen und geistlichen Motetten, auch folkloristisch je nach der Nation der Komponisten gefärbt, und erst was die sprachliche Bewältigung betrifft.

Ganz ohne Arrangements ging es jedoch nicht im Programm, daran sich Florian Eschelmüller am Klavier wenig beteiligen musste. Eine Intonationsstütze brauchten die a-cappella-Vorträge nämlich nicht.

Als Countertenor-Gäste haben Alois Mühlbacher und Domen Fajar den Abend aufgewertet und ein genussvolles Solistentrio mit Sängerknaben-Leiter Markus Stumpner hingelegt. Mit dem Finale ist man bei Bruckner angekommen. Das von James Stevens arrangierte bekannte Lied „Näher mein Gott zu Dir“ in einem harmonisch andächtigen Satz beendete die Tage für Bruckner aber erst als Koller sich mit dessen „Um Mitternacht“ als Zugabe von dem stehend feiernden Publikum verabschiedete.

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Von Georgina Szeless

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