Brucknerthemen zum Fünfuhrtee

Bernhard Prammers erfolgreiches Debüt auf dem neuen Instrument

Bernhard Prammer an der neuen Orgel im Brucknerhaus
Bernhard Prammer an der neuen Orgel im Brucknerhaus. © Reinhard Winkler

Von Georgina Szeless

Mit der neu errichteten Rieger-Orgel im Brucknerhaus wächst in Linz offensichtlich das Publikumsinteresse an der Orgelmusik. In der vorigen Saison in einem Solokonzert erprobt, gibt es heuer eine Fortsetzung der Reihe „Orgelmusik zur Teatime“, die am Dreikönigstag mit einer erklecklichen Zahl an Zuhörern eröffnet wurde. Zur Begrüßung mit Kaffee oder Tee gestärkt, begaben sie sich auf frei zu wählende Bühnenplätze, um den Titularorganisten des Linzer Alten Domes hautnah bei seinem Spiel zu erleben.

Stück für Stück Linzer Musikgeschichte

Bernhard Prammer wählte ein Bruckner nahes Programm mit möglichst unbekannten Komponisten, deren Klangideen jenen Bruckners entsprangen und die im Geiste des großen Vorbildes ihre Werke konzipiert haben. Wie ein roter Faden war von Stück zu Stück ein Kapitel der Linzer Musikgeschichte gespannt, ob die Assimilation der Themen in Form einer Fantasie, Improvisation oder in memoriam auftauchten. Ein kaum restlos auszuschöpfendes Unterfangen unter dem Titel „Herr Bruckner, ein Thema bitte!“, denn was gibt es nicht alles an Orgelmusik, die sich nicht an Bruckner orientierte. Freilich gäbe es noch mehr zu entdecken. Wo war zum Beispiel ein Kropfreiter, der Bruckner von St. Florian, als der der Stiftskomponist und hervorragende Orgelimprovisator angesehen war?

Begonnen hat Prammer mit Karl Borromäus Waldeck (1841-1905) und dessen Fantasie für große Orgel nach einem Bruckner-Thema g-Moll. Waldeck war Bruckners Nachfolger im Alten Dom und als solcher von Bruckner so geschätzt, dass er sein Schüler wurde. Mit einem Bruckner-Mosaik gedachte Rupert Gottfried Frieberger (1951-2016) aus Aigen-Schlägl seinem Idol und verarbeitete darin Themen aus der „Vierten“ und der „Neunten“ und aus dem Te Deum. Ein ehrendes Gedenken vermachte auch Franz Xaver Müller (1870-1948) dem Genius Loci in Form eines ruhigen Adagios, das sich zu mächtigem Orgelbrausen steigerte. Mit einer spannenden Improvisation vom einzigen Nichtoberösterreicher im Programm Joseph Messner (1893-1969) — über ein Thema aus dem Credo der f-moll Messe brachte sich der Salzburger Domkapellmeister ein —, gefolgt von einem Stück des schaffensreichen, Bruckner ergebenen Hermann Pius Vergeiner (1859-1900), einem Freistädter und somit aus Prammers Heimat stammend.

Die Orgel meisterlich einfühlend im Griff

Das Finale musste ja von Bruckner kommen und in seiner genialen Echtheit faszinieren: das Scherzo aus seiner 2. Sinfonie c-Moll, das Nachspiel d-Moll WAB 126, und als Zugabenzuckerl noch sein viel gespieltes Perger Präludium als Ausgleich zu den insgesamt überwältigenden Klängen der Orgel, die Bernhard Prammer in ihrer technisch komplizierten Ausstattung meisterlich einfühlend in den Griff bekam.