Bryan Ferry: Bitter-Sweet (Warner)

Schön, mal wieder von ihm zu hören: Der Brite Bryan Ferry (73) legt ein Album vor, auf dem er nach längerer Pause wieder mit seiner Gentleman-Stimme verführt. Inspiriert zu Neuinterpretationen eigener Songs im Jazz-Ambiente hat ihn die deutsche Fernsehserie „Babylon Berlin“, wo Ferry plötzlich vor einem großem Orchester auf der Bühne des 20er-Jahre-Vergnügungstempels „Moka Efti“ stand. Aber es passte ja auch zu gut — gilt der Brite doch schon seit seiner legendären Zeit mit Roxy Music in den 70ern als Inbegriff einer elegant-verführerischen Pop-Dekadenz. In der Serie sang Ferry mit bebender Stimme zu Bigband-Jazz im Stil von Kurt Weill seinen alten Song „Bitter-Sweet“ von 1974. Wunderbar schwülstig. „Bitter-Sweet“ heißt nun auch das neue Album, Ferry nennt es selbst deutlich inspiriert von „Babylon Berlin“. Darauf sind schöne Dixieland- und Ragtime-Interpretationen von Songs zu hören, die Ferry einst mit Roxy Music und später solo aufgenommen hatte. Auf acht Stücken ist Ferrys etwas dünner gewordene, aber noch immer charismatische Stimme zu hören. Jedes der 13 Lieder vom Opener „Alphaville“ bis „Boys And Girls“, hätte in die TV-Serie gepasst. Am 7. Juni 2019 ist Ferry übrigens in der Wiener Stadthalle, am 9. Juni gastiert er im Brucknerhaus.