Bundesheer reduziert wegen Coronavirus Auslands-Truppen

Das Bundesheer reduziert als Reaktion auf die Corona-Krise vorübergehend die Einsatzstärken der Auslandseinsatzkontingente.

Dies geschehe „im Gleichklang mit anderen europäischen Truppenstellern und in Absprache mit den internationalen Organisationen“, so das Verteidigungsministerium am Dienstag in einer Aussendung. Die Einsatzfähigkeit der jeweiligen Missionen blieben weiterhin sichergestellt.

Hörprobe:

Die Maßnahme diene der „Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Auslandseinsatzkontingente sowie als Sorgfaltsmaßnahme gegenüber den eingesetzten Soldatinnen und Soldaten“, informierte das Ministerium.

Ressortchefin Klaudia Tanner (ÖVP) habe die Maßnahmen persönlich freigegeben. „Wir stehen im Spannungsfeld zwischen internationaler Solidarität und der Fürsorgepflicht gegenüber unseren Soldatinnen und Soldaten. Ihr Schutz hat oberste Priorität“, so die Ministerin.

Das Bundesheer wird Personen aus den Einsatzräumen zurückholen, die nicht unmittelbar und dringend an der Erfüllung der Missionsziele beteiligt sind.

Dies betrifft laut Ministerium vor allem Personen, die aufgrund ihres Alters einer Risikogruppe angehören bzw. nationale Unterstützungselemente. Bei Kleinmissionen könne es zu verstärkten Maßnahmen kommen. So wurde etwa die Ausbildungstätigkeit der EU-Trainingsmission in Mali eingestellt.

„Bei allen Entscheidungen in diesem Zusammenhang werden die medizinischen Möglichkeiten in den Einsatzgebieten sowie die möglichen Kapazitäten für eine Rückholung von infizierten Personen berücksichtigt“, betonte das Ministerium.

So habe man bereits Angehörige aus Mali und Bosnien-Herzegowina unter intensivmedizinischer Betreuung zurückgeholt. Die heimkehrenden Soldaten werden nach ihrer Rückkehr in eine 14-tägige Heimquarantäne entlassen.

1.466 Soldaten im Auslandseinsatz

Die Entwicklungen in den Einsatzgebieten werden laut Verteidigungsministerium genau beobachtet, um gegebenenfalls gemeinsam mit den internationalen Partnern weitere Maßnahmen treffen zu können. Derzeit stellt das Österreichische Bundesheer 1.466 Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz mit Schwergewicht auf dem Balkan und im Nahen Osten.

Dazu kommen noch kleinere Missionen in Afrika, Osteuropa und Afghanistan sowie in der maritimen Mission der EU im Mittelmeer. Wie viele Soldatinnen und Soldaten heimgeholt werden, ging aus der Aussendung nicht hervor.

Derzeit befinden sich rund 700 österreichische Soldaten im Ausland. Die meisten davon (350) sind im Kosovo stationiert, im Libanon und Bosnien sind jeweils rund 200 Soldaten im Einsatz. Alle anderen Missionen sind sehr klein und bestehen aus weniger als 15 Personen.

Insgesamt stehen 1.466 Soldaten für Auslandseinsätze bereit. Die Hälfte ist vor Ort, die andere Hälfte sind nationale Verstärkungskräfte bzw. internationale Reserven (EU-Battlegroups) in den Heimatgarnisonen auf Abruf. Sie können innerhalb kurzer Zeit in die Einsatzräume verlegt werden.

Dem Vernehmen nach soll die Covid-bedingte vorübergehende Reduktion der Auslandseinsätze in Summe zehn Prozent ausmachen, allerdings mit einer unterschiedlichen Verteilung bei den einzelnen Missionen.

Wie ist Ihre Meinung?