Van der Bellen schenkt Papst „Ziegenherde“

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Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist am Montag in Rom mit Papst Franziskus und seinem Amtskollegem Sergio Mattarella zusammengetroffen. Er habe dem Papst eine „Ziegenherde“ geschenkt, verriet Van der Bellen nach dem Besuch im Vatikan. Die 20 Ziegen wurden freilich symbolisch übergeben. Sie sind Teil der „Sinnvoll Schenken“-Reihe der Caritas und kommen bedürftigen Familien in Burundi zugute. Mit Mattarella besprach Van der Bellen unter anderem Post-Covid-Strategien.

Italien sei von der Pandemie wirtschaftlich etwas härter getroffen worden als Österreich, analysierte Van der Bellen. Das liege auch daran, dass das südliche Nachbarland noch stärker von Tourismus abhängig sei als Österreich. Eine Erholung Italiens wäre aber auch für Österreich wichtig. Einerseits sei dies fast schon eine „Herzensangelegenheit“, weil alljährlich Hunderttausende Österreicher Urlaub an der Adria machen würden, andererseits seien Österreich und Italien wirtschaftlich sehr eng verflochten. „Ich habe heute gelernt, das Österreich allein mit Firmen in der Lombardei mehr Handel betreibt als mit ganz Russland.“

Daher müssten Konzepte entwickelt werden, wie Italien von den wirtschaftlichen Wiederaufbaukonzepten der EU profitieren könne. Mit dem seit Februar im Amt befindlichen Regierungschef Mario Draghi, der von 2011 bis 2019 Chef der Europäischen Zentralbank EZB gewesen war, sollten diese aber umgesetzt werden können. Mit Draghi wird Van der Bellen am Dienstag zusammentreffe. Zudem habe er mit Mattarella auch Themen wie eine gemeinsame EU-Außenpolitik besprochen. Diese lasse noch zu wünschen übrig. Etwas bei der Suche nach einer gemeinsamen Position gegenüber Russland.

Bezüglich des Besuchs beim Papst, sagte Van der Bellen, er schätze Papst Franziskus außerordentlich, und verwies ausdrücklich auf dessen Enzykliken „Laudato Si’“ und „Fratelli Tutti“, in denen sich der Pontifex mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie des sozialen Zusammenhalts auseinandersetze. „Papst Franziskus wird in die Geschichte eingehen“, sagte der Bundespräsident. Der Vatikan sei in Umwelt- und Migrationsfragen sehr engagiert und beobachte dabei auch genau die Entwicklungen in den verschiedenen Ländern, also auch in Österreich. In der Flüchtlingsfrage vertrete der Papst etwa die Ansicht, dass auch „kleine Aktionen“ helfen könnten, meinte Van der Bellen. Er erinnerte daran, dass der Papst auch ohne viel öffentlichen Aufhebens einige Flüchtlingsfamilien von griechischen Inseln nach Rom geholt habe. „Die Kirche fördert auch humanitäre Aufenthalte.“

Er habe auch versucht, Papst Franziskus zu einem Besuch in Wien und Österreich zu „überreden“, erzählte der Bundespräsident bei dem Treffen mit mitgereisten und lokal akkreditierten Medienvertretern. Er sei sich aber bewusst, dass die Chancen auf eine Annahme der Einladung eher gering seien. Für Papst Franziskus gebe es „andere Prioritäten“.

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und Österreich sei ja „ausgezeichnet“, und der Papst gehe lieber „in die Peripherie“. Er besuche also lieber Krisengegenden, erinnerte Van der Bellen daher auch die „sensationelle“ Reise von Franziskus in den Irak im vergangenen März. Dass der Papst dort den interreligiösen Dialog mit der muslimischen Welt („Schiiten wie Sunniten“) gesucht und gestärkt habe, sei ein Zeichen dafür, wie sehr sich der Vatikan um den Frieden und die Sicherheit in der Welt bemühe.

Van der Bellen (77) erinnert auch daran, dass die Visite am Montag nach jener im November 2017 bereits sein zweiter Besuch im Vatikan gewesen sei. Dass er Franziskus (84) nun „wohlauf und gesund“ wiedergetroffen habe, sei eine große Freude. Neben dem „nützlichen“ (O-Ton Van der Bellen) Ziegen-Geschenk bekam Franziskus auch ein Bild der Malerin Karin Mayer aus der Caritas-Kunstgruppe Retz für Menschen mit Behinderungen verehrt. Die 1967 geborene Künstlerin freute sich der Präsidentschaftskanzlei zufolge sehr. Dass einmal eines ihrer Bilder niemand Geringerem als Papst Franziskus übergeben würde, hätte sie vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten. Auch Thomas Krottendorfer, Leiter mehrerer Caritas-Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Niederösterreich, war von der Auswahl der Geschenke angetan. „Wir empfinden es als große Anerkennung für unsere Arbeit, vor allem aber für die Arbeit der Kunstgruppe Retz.“

Weiters kam Van der Bellen, der bei seinem Rom-Besuch auch von EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) begleitet wird, auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin („Das ist eigentlich der Regierungschef im Vatikan“) zusammen, dem „ein Kreuz aus Holz und Glas, gefertigt von Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerkstätte in St. Pölten“ und eine Sachertorte überreicht wurden. Gewessler – die Grüne-Minsterin nahm für die Hin- und Rückreise nach und von Rom übrigens umweltbewusst den Zug – zeigte sich nach dem Treffen auch beeindruckt vom Klima-Engagement des Papstes. Edtstadler hob hernach kurz hervor, dass mit dem Papst auch das Thema Westbalkan besprochen worden sei. Österreich tritt ja als Verfechter einer EU-Erweiterung um die Balkanländer Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien auf.

Edstadler hatte am Montagnachmittag einen Termin mit der italienischen Innenministerin Luciana Lamorgese. Gewessler kommt Dienstag früh mit Verkehrsminister Enrico Giovannini zusammen. Bei diesem Gespräch dürfte es nicht zuletzt um das Thema Transit am Brenner gehen.

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