„Butler-Lehrlinge“ ziehen auf der Burg Clam ein

Praxisnahe Ausbildung bei echtem Burgherren

Die Burgwiese unterhalb von Burg Clam ist seit mehreren Jahren Austragungsort von Konzerten.
Die Burgwiese unterhalb von Burg Clam ist seit mehreren Jahren Austragungsort von Konzerten. © APA/fotokerschi.at

Bevor Weltstars mit lauten Gitarren beim Konzertsommer die Burg Clam im Bezirk Perg rocken, wird in den alten Gemäuern Auftreten und Etikette, Gästeempfang und das Servieren bei einer Festtafel in einem historischen Haus gelehrt. Ab April ziehen die ersten Teilnehmer einer Butlerausbildung ein und werden auch vom Burgherrn Carl Philip Clam persönlich unterrichtet.

Die sechs Schülerinnen und Schüler erhalten maßgeschneiderte Butlerkleidung und Training-on-the-Job, erklärt Claudia Schlegel, die seit rund zehn Jahren mit ihrem „Butler Bureau“ diese Ausbildung anbietet.

Nun geschieht dies in passendem Ambiente auf der Burg. Ein erfahrener Butler unterweist die Eleven sechs Wochen lang unter anderem in Haushaltsorganisation, Wäsche- und Garderobenpflege, Reinigung von hochwertigem Inventar, Auftreten und Etikette, Service, Gästeempfang und -bewirtung, Personalführung, Kommunikation und Küchenorganisation. Hygiene sei natürlich speziell in Zeiten des Coronavirus ein heißes Thema, so die Firmenchefin.

Die Zusammenarbeit mit der Butlerschule „passt wie die Faust aufs Auge“, sagte Carl Philip Clam, der mit seiner Familie Teile der Burg bewohnt.

Spannendes Erlebnis

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„Die Teilnehmer wohnen auf dem Anwesen und lernen so den Alltag eines Butlers kennen“, betont Schlegel die Praxisnähe. Die Grafen von Clam gehören zum österreichischen Uradel mit einem Stammbaum bis ins 13. Jahrhundert. Noch zwei Generationen zurück seien auf Burg Clam etliche Hausangestellte und zwei Butler beschäftigt worden. „Für mich wird das sehr spannend“, freute sich Graf Clam sein umfangreiches Wissen über Butlerservice in Adelshäusern weiterzugeben. Hier sei viel Tradition verloren gegangen.

Infos aus erster Hand

Von ihm und dem noch vorhandenen Personal erfahren die angehenden Bediensteten aus erster Hand „wie man bei einer Festtafel in einem historischen Haus richtig serviert“. Das sei doch viel spannender, als sich diese Finessen aus Büchern oder via Internet anzueignen, findet er. Auch Wissen über Pferde und Hunde oder wie man mit historischem Mobiliar umgeht, will Clam vermitteln. Mit seinen Erfahrungen kann er die angehenden Bediensteten auch vor so manchem Fauxpas bewahren, denn „Hausangestellte, die es gut meinen, sagen oft Dinge, die gerade nicht passen.“

Die Absolventen des „Butler Bureau“ seien international gefragt und Jobs als Estate Manager, Housemanager, Personal oder Private Assistant mit einem Jahresgehalt von 50.000 bis zu 300.000 Euro keine Seltenheit.

Die ersten werden ihre Ausbildung abgeschlossen haben, bevor die Rockgrößen sich ihr Stelldichein im Mühlviertel geben. Doch Clam schließt nicht aus, dass die zwei Welten aufeinandertreffen. Rod Stewart hätte zwei Garderobenspezialisten gebraucht, „in Zukunft kann ich da an Praktikanten aus der Butlerschule denken“.

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