BVT: IT-Techniker soll illegal Handydaten abgesaugt haben

In der BVT- und Wirecard-Affäre gibt es offenbar neue Verdachtsmomente. In der Wohnung eines BVT-IT-Technikers sollen Ermittler zig Handys gefunden haben, die teils hochrangigen Innenministeriums- und Kabinettsmitarbeitern gehört haben sollen. Der Mann steht im Verdacht, die Daten ausgelesen, weitergegeben und verkauft zu haben, berichtete die Tageszeitung „Die Presse“ am Donnerstag.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, bestätigte am Donnerstag gegenüber der APA in diesem Zusammenhang Ermittlungen nach Paragraph 310 StGB (Verletzung des Amtsgeheimnisses, Anm.). Inhaltlich zu der angeblich erfolgten Razzia wollte sie nichts sagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Bei der Hausdurchsuchung sollen rund 50 Mobiltelefone gefunden worden sein. H. arbeite seit 2001 im BVT und habe sich auf das Auslesen von Mobiltelefonen spezialisiert. „Betroffene erinnern sich, dass man ihm schadhafte Geräte überantwortet hatte, um Daten zu retten. H. habe behauptet, das sei nicht möglich, und versprochen, die Endgeräte zu vernichten. Das dürfte er nicht getan haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Mann die Handys ausgelesen – und an ‚organisationsfremde Personen‘ weitergegeben hat“, schreibt die Zeitung.

Diese Daten soll H. auch an seinen alten Freund O. weitergegeben haben. Ein entsprechender Datenstick wurde laut dem Bericht bei einer Hausdurchsuchung gefunden. H. und O. verbindet eine langjährige gemeinsame Polizeikarriere. Sie waren schon in den 1990ern gemeinsam bei der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus (EBT). Als die Sondereinheit dann wegen etlicher Verfehlungen aufgelöst wurde, wechselten beide in die Nachfolgeorganisation BVT. Einen ähnlichen Werdegang hat auch der Dritte im Bunde – W. war jahrelang mächtiger Abteilungsleiter im BVT, bis er 2017 nach Konflikten ausschied.

W. heuerte danach bei Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek an. Wegen Marsalek wurden W. und O. auch vor wenigen Wochen verhaftet. W. soll Marsalek zur Flucht verholfen haben, indem er einen Privatjet von Bad Vöslau nach Minsk organisierte. W. hatte nach eigenen Angaben auch nach der Flucht noch Kontakt zu Marsalek. W. gab auch an, dass sein Freund O. den Wirecard-Boss ebenfalls kannte. Und dass sie zusammen sensible Abfragen zu gewissen Personen für ihn organisiert hätten. Marsalek zeigte sich dafür monetär erkenntlich. Auch H. soll immer wieder für Marsalek gearbeitet haben, so die „Presse“.

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Für die NEOS-Abgeordnete Stephanie Krisper ist W. eine „Schlüsselfigur in vielen dubiosen Vorgängen“ rund um das BVT. „Wir werden durch Anfragen der Frage nachgehen, wie hier jeweils die Ermittlungen stehen“, sagte sie gegenüber der APA. Die pinke Mandatarin hofft, dass mit der Neuaufstellung des BVT auch ein Ende der Leaks einhergehe. Denn diese gefährdeten die Sicherheit im Land und „bringen zurecht Partnerdienste auf Distanz“. Für ein Erstarken des Vertrauens in den hiesigen Verfassungsschutz müsse die Vergangenheit durch effiziente Ermittlungen aufgearbeitet werden – insbesondere zu W., so Krisper.

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